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Jeder siebte mit dauerhafter EM-Rente braucht Grundsicherung

Bezieher einer Erwerbsminderungsrente zieht im Sozialamt eine Wartemarke für die Grundsicherung

170.760 Menschen bezogen Ende 2025 gleichzeitig eine dauerhafte volle Erwerbsminderungsrente und Grundsicherung. Das waren 13,7 Prozent der unbefristeten vollen EM-Renten im Inland und damit nahezu jeder siebte Fall. Die neuen Regierungszahlen zeigen außerdem ein starkes Gefälle: In Hamburg lag die Quote bei 31,9 Prozent, in Thüringen nur bei 9,1 Prozent.

170.760 Renten reichen nicht allein

Die Zahlen stehen in der Antwort der Bundesregierung vom 27. Juli 2026 auf eine Kleine Anfrage zur Alterssicherung. Verknüpft wurden Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung. Erfasst sind Menschen mit Grundsicherung und einer dauerhaften vollen EM-Rente. Zeitrenten bleiben im Nenner ausdrücklich außen vor.

GruppeFälle mit GrundsicherungAnteil an EM-Renten
Insgesamt 2016187.48514,7 %
Insgesamt 2025170.76013,7 %
Männer 202596.39016,8 %
Frauen 202574.37511,0 %

Gegenüber 2016 sank die Fallzahl um 16.725 oder 8,9 Prozent. Die Quote ging um einen Prozentpunkt zurück. Daraus folgt jedoch nicht, dass sich alle niedrigen EM-Renten entsprechend verbessert haben. Haushaltsgröße, Partnereinkommen, Wohnkosten und Vermögen entscheiden mit, ob Grundsicherung gezahlt wird. Die Statistik nennt keine Ursachen für den deutlich höheren Anteil bei Männern. Wegen der amtlichen Fünferrundung können sich Einzelwerte und Gesamtsumme geringfügig unterscheiden.

Der Zehnjahresvergleich stellt außerdem zwei Rentenbestände gegenüber, nicht dieselben Menschen über ihre gesamte Rentenlaufzeit. Rentenanpassungen, neu bewilligte oder weggefallene EM-Renten und eine veränderte Zahl von Anträgen auf Grundsicherung wirken gleichzeitig auf das Ergebnis. Der Rückgang belegt deshalb eine statistische Entwicklung, aber keine individuelle Verbesserung um 8,9 Prozent. Selbst eine höhere EM-Rente kann durch steigende anerkannte Wohnkosten teilweise wieder aufgezehrt werden.

Wohngeld-Kürzung könnte Tausende Rentner in die Grundsicherung drängen

Hamburg liegt über 30 Prozent

Regional reicht die Spanne von 9,1 Prozent in Thüringen bis 31,9 Prozent in Hamburg. Berlin folgt mit 28,5 Prozent, Bremen mit 24,6 Prozent. Bayern liegt mit 9,5 Prozent ebenfalls deutlich unter dem Bundeswert. Gerade in den Stadtstaaten können hohe angemessene Wohnkosten den sozialhilferechtlichen Bedarf erhöhen. Ob sie das Gefälle tatsächlich erklären, lässt sich aus der Tabelle aber nicht ableiten.

Zeitrentner sind nicht mitgezählt

Die Abgrenzung ist entscheidend. Grundsicherung bei Erwerbsminderung setzt grundsätzlich eine dauerhafte volle Erwerbsminderung voraus. Wer eine befristete volle EM-Rente bezieht und hilfebedürftig ist, kann stattdessen Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten. Die Quote von 13,7 Prozent beschreibt daher weder alle EM-Rentner noch alle Menschen, deren Einkommen wegen Krankheit nicht reicht. Welche Leistungsfähigkeit für eine volle Erwerbsminderungsrente maßgeblich ist, bleibt eine getrennte rentenrechtliche Prüfung.

Es gibt keine feste Rentengrenze

Ein bestimmter Rentenbetrag löst den Anspruch nicht automatisch aus. Zum Bedarf gehören 2026 bei Alleinstehenden 563 Euro Regelbedarf, angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung sowie mögliche Mehrbedarfe. Davon werden anrechenbares Einkommen und verwertbares Vermögen abgezogen. Auch Einkommen des Ehe- oder Lebenspartners kann die Zahlung mindern. Deshalb können zwei gleich hohe EM-Renten zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Grundsicherung bei Erwerbsminderungsrente ergänzt nur die im Einzelfall verbleibende Lücke.

Die Dunkelziffer fehlt

Die Quote erfasst nur bewilligte Grundsicherungsfälle. Menschen, die trotz möglicher Hilfebedürftigkeit keinen Antrag stellen, erscheinen nicht in den 170.760 Fällen. Umgekehrt sagt der Leistungsbezug nichts über die Höhe der Lücke aus. Bei einem Empfänger kann die Grundsicherung nur einen kleinen Fehlbetrag ausgleichen, bei einem anderen mehrere Hundert Euro einschließlich Wohnkosten. Die 13,7 Prozent sind deshalb eine Quote des tatsächlichen Leistungsbezugs, keine vollständige Messung aller finanziell unzureichenden EM-Renten.

Erwerbsminderungsrente-Rechner

Der Antrag wirkt nicht rückwirkend

Über die Leistung entscheidet das örtliche Sozialamt. Die Rentenversicherung kann Anträge entgegennehmen und weiterleiten, bewilligt die Grundsicherung aber nicht selbst. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung beginnt die Zahlung frühestens mit dem ersten Tag des Antragsmonats. Eine rückwirkende Nachzahlung für vorherige Monate gibt es nicht.