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Wartezeit bei der Rente: Welche Versicherungsjahre zählen

Die Wartezeit ist keine Frist, die du nach dem Rentenantrag abwarten musst. Gemeint ist die Mindestversicherungszeit, ohne die eine bestimmte Rente gar nicht erst in Betracht kommt. Für die Altersrenten sind drei Schwellen entscheidend: fünf, 35 und 45 Jahre. Die Monate müssen nicht am Stück liegen, sie sammeln sich über das ganze Versicherungsleben an.

Dabei zählt weit mehr als ein klassischer Vollzeitjob. Auch Kindererziehung, Pflege, eine betriebliche Ausbildung, Wehr- oder Freiwilligendienst und ein rentenversicherungspflichtiger Minijob bringen Versicherungsmonate. Schule, Studium, Arbeitslosigkeit und freiwillige Beiträge helfen dagegen nur bei bestimmten Wartezeiten. Am großzügigsten wird bei 35 Jahren gezählt, am strengsten bei 45 Jahren.

Welche Wartezeit du brauchst

Die fünf Jahre heißen auch allgemeine Wartezeit. Sie reichen für die Regelaltersrente. Wer 35 oder 45 Jahre zusammenbekommt, kann zusätzlich eine Altersrente wählen, die früher beginnt.

WartezeitBenötigte MonateZugehörige Altersrente
5 Jahre60Regelaltersrente
35 Jahre420Altersrente für langjährig Versicherte und Altersrente für schwerbehinderte Menschen
45 Jahre540Altersrente für besonders langjährig Versicherte
Die drei Wartezeiten für Altersrenten

Neben der Wartezeit müssen die Altersgrenze und die übrigen Voraussetzungen der jeweiligen Rentenart erfüllt sein.

Die Altersrente nach 45 Jahren heißt umgangssprachlich noch immer Rente mit 63. Für alle ab 1964 Geborenen beginnt sie aber frühestens mit 65 Jahren, dafür ohne Abschlag. Wer die 45 Jahre schon mit 62 beisammenhat, muss trotzdem bis zu seiner Altersgrenze warten.

Wartezeit und Rentenhöhe sind zwei verschiedene Dinge

Die Wartezeit entscheidet nur, ob du eine bestimmte Rente bekommen kannst. Wie hoch sie ausfällt, bestimmen deine Rentenpunkte. 45 Versicherungsjahre mit niedrigem Verdienst können deshalb eine kleine Rente ergeben. Umgekehrt ersetzen viele Rentenpunkte keinen einzigen fehlenden Versicherungsmonat.

Pro Jahr zählen höchstens zwölf Monate

Jedes Kalenderjahr liefert für eine Wartezeit höchstens zwölf Monate. Ob du Vollzeit arbeitest, zehn Stunden pro Woche oder neben dem Hauptjob noch einen versicherungspflichtigen Nebenjob hast, spielt dafür keine Rolle. Zwei Beschäftigungen im selben Monat ergeben keinen zweiten Wartezeitmonat. Dasselbe gilt, wenn sich Arbeit und Kindererziehung oder andere anrechenbare Zeiten überschneiden.

Umgekehrt reicht ein angebrochener Monat. Ist ein Kalendermonat nur teilweise mit einer anrechenbaren Zeit belegt, zählt er als voller Monat. Beginnst du eine versicherungspflichtige Beschäftigung am 30. eines Monats, wird dieser Monat bereits vollständig berücksichtigt. Das folgt aus dem Monatsprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wann die Wartezeit erfüllt sein muss

Zum gewünschten Rentenbeginn müssen Wartezeit und Altersgrenze gleichzeitig erfüllt sein. Soll eine Altersrente am 1. Oktober beginnen, müssen die nötigen Monate bis Ende September vorliegen. Kommt der letzte Monat erst im Oktober hinzu, verschiebt sich der früheste Beginn.

Die Regelaltersgrenze ist dabei keine Ausschlussfrist. Fehlen zu diesem Zeitpunkt noch Monate für die fünf Jahre, kannst du sie auch danach noch sammeln, etwa durch eine versicherungspflichtige Beschäftigung oder freiwillige Beiträge. Die Regelaltersrente beginnt dann, sobald die 60 Monate erreicht sind. Dasselbe Prinzip gilt bei 35 und 45 Jahren. Der Rentenbeginn hängt deshalb nicht allein vom Geburtstag ab.

Rentenbeginnrechner

Was fehlende Monate bedeuten

Fehlen die fünf Jahre, besteht noch kein Anspruch auf Regelaltersrente, bis die Lücke geschlossen ist. Fehlen die 35 Jahre, bleiben die Altersrenten für langjährig Versicherte und für schwerbehinderte Menschen verschlossen. Ein höherer Abschlag ersetzt keine fehlenden Versicherungsmonate. Fehlen die 45 Jahre, entfällt der frühere abschlagsfreie Zugang. Sind wenigstens 35 Jahre erfüllt, bleibt die Altersrente für langjährig Versicherte als Alternative, bei vorzeitigem Beginn allerdings mit dauerhaftem Abschlag.

Welche Zeiten für 5, 35 und 45 Jahre zählen

Die folgende Übersicht zeigt, welche Zeit bei welcher Wartezeit mitzählt. Die Unterschiede liegen vor allem bei Schule und Studium, Arbeitslosigkeit, Bürgergeld und freiwilligen Beiträgen. Sie werden in den folgenden Abschnitten erklärt.

Versicherungszeit5 Jahre35 Jahre45 Jahre
Pflichtbeiträge aus Beschäftigung, betrieblicher Ausbildung oder versicherter SelbstständigkeitJaJaJa
Rentenversicherungspflichtiger MinijobJaJaJa
Minijob mit Befreiung von der RentenversicherungspflichtAnteiligAnteiligAnteilig
KindererziehungszeitenJaJaJa
Berücksichtigungszeit wegen Kindererziehung bis zum 10. GeburtstagNeinJaJa
Pflichtbeiträge für nicht erwerbsmäßige PflegeJaJaJa
Wehr- oder Zivildienst und versicherte FreiwilligendiensteJaJaJa
Schule und Studium ohne BeiträgeNeinJaNein
ArbeitslosengeldJaJaJa, außer in den letzten 2 Jahren vor Rentenbeginn
Krankengeld oder ÜbergangsgeldJa, wenn du vorher versicherungspflichtig warstJaJa
Arbeitslosengeld II ab 2011, Bürgergeld, GrundsicherungsgeldNeinJaNein
Freiwillige BeiträgeJaJaNur bei mindestens 18 Jahren Pflichtbeiträgen
Versicherungszeiten aus EU-Staaten und AbkommensstaatenJaJaEingeschränkt
Monate aus Versorgungsausgleich oder RentensplittingJaJaNein
ErsatzzeitenJaJaJa
Anrechenbare Zeiten nach Wartezeit

Mehrere anrechenbare Zeiten im selben Kalendermonat werden für dieselbe Wartezeit nicht addiert.

Schule und Studium zählen nur für die 35 Jahre

Reine Schul- und Studienzeiten ohne Pflichtbeiträge helfen ausschließlich bei der 35-jährigen Wartezeit. Berücksichtigt werden anerkannte Zeiten ab dem 17. Geburtstag, insgesamt höchstens 96 Monate. Dazu gehören allgemeinbildende Schulen, Fachschulen, Hochschulen und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Die acht Jahre müssen nicht zusammenhängen. Unterbrichst du etwa eine Ausbildung und setzt Schule oder Studium Jahre später fort, werden die Abschnitte bis zur Höchstgrenze zusammengerechnet. Einen Abschluss brauchst du für die Anerkennung der Schul- oder Studienzeit nicht.

Anders ist es bei einer betrieblichen Berufsausbildung. Werden dafür Pflichtbeiträge gezahlt, zählt die Ausbildung für alle Wartezeiten. Dasselbe gilt für einen versicherungspflichtigen Job während des Studiums. Der Monat zählt dann wegen der Beschäftigung, nicht wegen des Studiums.

Beispiel

Im Rentenkonto stehen 32 Beitragsjahre aus Beschäftigung und drei anerkannte Studienjahre ohne Beiträge, die sich zeitlich nicht überschneiden. Für die 35-jährige Wartezeit reicht das. Für die 45 Jahre bleiben es dagegen 32 anrechenbare Jahre, weil das Studium dort nicht mitzählt.

Wehrdienst, Zivildienst und Freiwilligendienste

Der frühere Grundwehrdienst und Zivildienst zählt weiterhin für alle Wartezeiten, auch wenn die Dienstpflicht seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt ist. Das gilt ebenso für anerkannte gesetzliche Dienstzeiten in der ehemaligen DDR.

Auch ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr und der Bundesfreiwilligendienst zählen für alle Wartezeiten. Die Rentenbeiträge zahlt die Einsatzstelle oder der Träger, du selbst zahlst nichts. Diese Dienste dauern in der Regel sechs bis 18 Monate, in Ausnahmefällen bis zu 24 Monate.

Der freiwillige Wehrdienst dauert mindestens sechs Monate. Bis zu elf Monaten zahlt der Bund laufend Rentenbeiträge für dich. Verpflichtest du dich beim Neuen Wehrdienst für zwölf Monate oder länger, wirst du Soldat auf Zeit. Soldaten sind wie Beamte über den Staat abgesichert, deshalb fließen während des Dienstes keine Rentenbeiträge. Scheidest du aus der Bundeswehr aus, zahlt der Bund die Beiträge für die gesamte Dienstzeit nach. So fehlt dir die Zeit später nicht in der Rente, und sie zählt für alle Wartezeiten.

Historische Ersatzzeiten

Ersatzzeiten betreffen historische Sonderfälle, etwa Kriegsgefangenschaft, NS-Verfolgung oder politische Haft in der DDR. Solche anerkannten Ersatzzeiten zählen für alle Wartezeiten, obwohl dafür keine Beiträge gezahlt wurden. Gewöhnliche Lücken im Versicherungsverlauf lassen sich damit nicht schließen.

Kindererziehung und Pflege

Kindererziehungszeiten

Für die ersten Lebensjahre eines Kindes zahlt der Bund Rentenbeiträge für den Elternteil, der das Kind erzieht. Diese Kindererziehungszeiten sind Pflichtbeitragszeiten und zählen für alle Wartezeiten. Sie stehen nicht nur leiblichen Eltern zu, sondern auch Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern, wenn sie das Kind tatsächlich erziehen. Für denselben Monat erhält immer nur ein Elternteil die Zeit. Kommt ein Kind erst später in den Haushalt, beginnt die Anrechnung mit diesem Zeitpunkt und nicht rückwirkend ab der Geburt.

Wie viele Monate angerechnet werden, hängt vom Geburtsjahr des Kindes ab.

  • Geburt vor 1992: Derzeit werden bis zu 30 Monate angerechnet. Mit der beschlossenen Mütterrente III steigt der Wert zum 1. Januar 2027 auf 36 Monate. Ausgezahlt wird die Verbesserung wegen des technischen Aufwands erst ab 2028, dann rückwirkend.
  • Geburt ab 1992: Es werden bis zu 36 Monate angerechnet, also drei Jahre.

Arbeitest du in dieser Zeit versicherungspflichtig weiter, bringt die Kindererziehungszeit für die Wartezeit keinen zusätzlichen Monat, denn der Monat ist durch deine Beschäftigung schon belegt. Für die Rentenhöhe lohnt sie sich trotzdem, weil die Rentenpunkte für das Kind zu denen aus deinem Lohn hinzukommen, höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Berücksichtigungszeit bis zum zehnten Geburtstag

Neben der Kindererziehungszeit läuft ab der Geburt eine zweite Zeit, die Berücksichtigungszeit. Sie endet mit dem zehnten Geburtstag des Kindes und bringt für sich genommen keine Rentenpunkte. Für die Wartezeit ist sie trotzdem wichtig, denn sie zählt für die 35 und die 45 Jahre. Für die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren zählt sie nicht.

In den ersten Jahren laufen beide Zeiten parallel, und jeder Monat zählt nur einmal. Aus drei Jahren Kindererziehungszeit und zehn Jahren Berücksichtigungszeit werden deshalb nicht 13, sondern zehn Wartezeitjahre. Wer in diesen zehn Jahren ohnehin versicherungspflichtig arbeitet, hat die Monate bereits durch die Beschäftigung beisammen. Die Berücksichtigungszeit hilft vor allem Eltern, die in dieser Zeit nicht oder nur ohne Rentenversicherung gearbeitet haben.

Pflege zählt über die Beiträge der Pflegekasse

Pflegst du einen Angehörigen, Freund oder Nachbarn zu Hause, kann die Pflegekasse der gepflegten Person Rentenbeiträge für dich zahlen. Diese Monate zählen dann als Pflichtbeitragszeit für alle Wartezeiten. Voraussetzung für die Rente für pflegende Angehörige ist unter anderem, dass die gepflegte Person mindestens Pflegegrad 2 hat, du sie mindestens zehn Stunden pro Woche an zwei Tagen pflegst und daneben höchstens 30 Stunden pro Woche arbeitest.

Von allein zahlt die Pflegekasse aber nicht. Sie muss wissen, dass du die Pflege übernimmst. Gib dich deshalb im Antrag auf Pflegeleistungen als Pflegeperson an. Die Pflegekasse schickt dir dann einen Fragebogen und prüft damit, ob sie Rentenbeiträge für dich zahlen muss. Pflegst du schon länger, ohne je einen solchen Fragebogen bekommen zu haben, melde dich direkt bei der Pflegekasse.

Die Jahresbescheinigung aufheben

Zahlt die Pflegekasse Rentenbeiträge für dich, erhältst du einmal im Jahr eine Bescheinigung über die gemeldeten Zeiten und Beträge. Mit ihr kannst du später im Versicherungsverlauf prüfen, ob die Pflegezeiten vollständig gespeichert sind. Fehlt etwas, ist die Pflegekasse die erste Anlaufstelle, denn sie meldet die Zeiten an die Rentenversicherung.

Beziehst du nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine volle Altersrente, zahlt die Pflegekasse keine Rentenbeiträge mehr. Bei einer Teilrente können sie weiterlaufen.

Minijob mit und ohne Eigenbeitrag

Im rentenversicherungspflichtigen Minijob zählt jeder Beschäftigungsmonat voll für alle Wartezeiten. Der Arbeitgeber zahlt im gewerblichen Minijob 15 Prozent, du selbst ergänzt 3,6 Prozent. Bei einem Verdienst an der Minijobgrenze von 603 Euro sind das 21,71 Euro im Monat.

Das gilt auch bei einem sehr kleinen Verdienst. Liegt er unter 175 Euro im Monat, wird der Rentenbeitrag trotzdem von 175 Euro berechnet und beträgt insgesamt 32,55 Euro. Der Arbeitgeber zahlt seinen Anteil vom tatsächlichen Lohn, den Rest trägst du.

Hast du dich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, zählen die Beschäftigungsmonate nicht mehr als Pflichtbeitragszeit. Der Arbeitgeber zahlt zwar weiter seinen Pauschalbeitrag von 15 Prozent, daraus erhältst du aber nur Zuschläge an Rentenpunkten. Für die Wartezeit rechnet das Gesetz diese Punkte in Monate um. Anders als sonst hängt die Wartezeit beim befreiten Minijob deshalb vom Verdienst ab.

ErgebnisMit EigenbeitragMit Befreiung
Eigener Rentenbeitrag pro Monat21,71 €0 €
Wartezeit aus 12 Beschäftigungsmonaten12 Monate4 Monate
Zwölf Monate Minijob mit 603 € Monatsverdienst

Welche Rolle das spielt, hängt von deiner übrigen Beschäftigung ab. Hast du daneben einen versicherungspflichtigen Hauptjob, ist der Minijob für die Wartezeit egal, denn die Monate sind durch den Hauptjob schon belegt. Ist der Minijob dagegen deine einzige Beschäftigung, zählt jeder Monat. Mit Eigenbeitrag bekommst du zwölf Wartezeitmonate im Jahr, mit Befreiung selbst an der Minijobgrenze nur vier.

RechenschrittErgebnis
Jahresverdienst (12 × 603 €)7.236 €
Rentenpunkte bei vollem Beitrag (7.236 € geteilt durch 51.944 € Durchschnittsentgelt)0,1393
Davon aus dem Pauschalbeitrag (15 statt 18,6 %)0,1123
Umrechnung in Monate (geteilt durch 0,0313)3,59
Wartezeit, auf volle Monate aufgerundet4 Monate
So werden aus dem befreiten Minijob 4 Wartezeitmonate

Gerechnet mit dem vorläufigen Durchschnittsentgelt 2026. Die Umrechnung mit dem Wert 0,0313 schreibt § 52 SGB VI vor.

Bei der späteren Rentenhöhe ist der Abstand deutlich kleiner als bei der Wartezeit, weil auch der Pauschalbeitrag des Arbeitgebers Rentenpunkte bringt. Wie groß der Unterschied bei deinem Verdienst ausfällt, rechnet der Minijob-Rentenrechner aus.

Seit dem 1. Juli 2026 lässt sich eine bestehende Befreiung einmalig aufheben. Den Antrag stellst du beim Arbeitgeber. Die Aufhebung wirkt nur für die Zukunft, frühere befreite Monate werden also nicht nachträglich zu vollen Pflichtbeitragsmonaten. Eine erneute Befreiung ist danach ausgeschlossen.

Arbeitslosigkeit und Krankheit

Arbeitslosengeld und die letzten zwei Jahre

Während du Arbeitslosengeld bekommst, zahlt die Arbeitsagentur Rentenbeiträge für dich. Diese Monate zählen deshalb für die fünf und die 35 Jahre. Für die 45 Jahre zählen sie ebenfalls, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung. In den letzten zwei Jahren vor dem tatsächlichen Rentenbeginn bleibt Arbeitslosengeld unberücksichtigt. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Arbeitslosigkeit auf einer Insolvenz oder der vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers beruht. Eine gewöhnliche betriebsbedingte Kündigung reicht dafür nicht.

Eine Sperrzeit, etwa nach einer Eigenkündigung oder einem Aufhebungsvertrag, kostet ebenfalls Versicherungszeit. Solange das Arbeitslosengeld gesperrt ist, zahlt die Arbeitsagentur auch keine Rentenbeiträge für dich. Für die fünf und die 45 Jahre fehlt dir diese Zeit.

Vorsicht bei Aufhebungsvertrag und Abfindung

Wer die 45 Jahre nur knapp erreicht, sollte den Versicherungsverlauf prüfen, bevor ein Aufhebungsvertrag unterschrieben oder ein Rentenbeginn festgelegt wird. Arbeitslosengeld kurz vor der Rente zählt für die 45 Jahre nicht, und ein Aufhebungsvertrag führt oft zusätzlich zu einer Sperrzeit. Genau diese Monate können für den abschlagsfreien Zugang fehlen.

Krankengeld und Übergangsgeld betrifft die Zwei-Jahres-Regel nicht. Sie zählen auch kurz vor der Rente für die 45 Jahre.

Grundsicherungsgeld und frühere Hartz-IV-Zeiten

Seit dem 1. Juli 2026 heißt das frühere Bürgergeld Grundsicherungsgeld. Der Leistungsbezug bringt Anrechnungszeiten, die nur für die 35 Jahre zählen. Bei älteren Hartz-IV-Zeiten kommt es auf das Jahr an, denn von 2005 bis 2010 wurden noch Pflichtbeiträge gezahlt.

Zeitraum und Leistung5 Jahre35 Jahre45 Jahre
2005 bis 2010, Arbeitslosengeld II mit PflichtbeiträgenJaJaNein
2011 bis 2022, Arbeitslosengeld II als AnrechnungszeitNeinJaNein
2023 bis Juni 2026, Bürgergeld als AnrechnungszeitNeinJaNein
Seit Juli 2026, Grundsicherungsgeld als AnrechnungszeitNeinJaNein
Grundsicherung für Arbeitsuchende nach Zeitraum

Arbeitslos ohne Leistungsbezug

Auch ohne Geldleistung kann Arbeitslosigkeit als Anrechnungszeit für die 35 Jahre zählen. Voraussetzung ist vor allem, dass du arbeitslos gemeldet bist und der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehst. Das gilt auch, wenn die Leistung nur wegen anzurechnenden Einkommens oder Vermögens entfällt. Eine bloße Meldung als arbeitsuchend reicht dagegen nicht.

Freiwillige Beiträge und Nachzahlungen

Mit eigenen Zahlungen, oft als Rentenpunkte kaufen bezeichnet, kannst du Lücken in deiner Versicherungszeit schließen oder deine Rente erhöhen. Welche Wirkung eine Zahlung hat, hängt davon ab, wofür du zahlst.

ZahlungWartezeitRentenhöhe
Freiwillige BeiträgeJa, für 5 und 35 Jahre, für 45 Jahre nur eingeschränktJa
Nachzahlung für Schul- und StudienzeitenJa, wie freiwillige BeiträgeJa
Sonderzahlung ab 50 zum Ausgleich von AbschlägenNeinJa
Was welche Zahlung bewirkt

Freiwillige Beiträge füllen leere Monate

Freiwillige Beiträge helfen bei der Wartezeit nur in Monaten, in denen du sonst keine Versicherungszeit hast. Für die Wartezeit zählt allein, ob ein Monat belegt ist, nicht wie viel du einzahlst. Ein höherer Beitrag bringt mehr Rentenpunkte, aber keinen zusätzlichen Monat. Wer nur eine Lücke schließen will, etwa weil für die fünf oder die 35 Jahre noch ein paar Monate fehlen, zahlt deshalb den Mindestbeitrag. Er liegt 2026 bei 112,16 Euro im Monat, der Höchstbeitrag bei 1.571,70 Euro.

Für die 45 Jahre zählen freiwillige Beiträge nur, wenn du mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung oder versicherter Selbstständigkeit hast. Wann die freiwilligen Beiträge gezahlt wurden, spielt dafür keine Rolle. In den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn zählen sie allerdings nicht, wenn du in dieser Zeit gleichzeitig arbeitslos gemeldet bist.

Wer einzahlen darf und bis wann

Freiwillige Beiträge kannst du ab 16 Jahren zahlen, wenn du nicht rentenversicherungspflichtig bist. Das gilt auch für Deutsche mit Wohnsitz im Ausland. Auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze ist das noch möglich, solange du keine volle Altersrente beziehst. So lassen sich fehlende Monate für die fünf Jahre noch schließen. Zahlst du bereits Pflichtbeiträge, etwa aus einer Beschäftigung, kommen für denselben Zeitraum keine freiwilligen Beiträge hinzu.

Gezahlt werden kann für das laufende Jahr und bis zum 31. März des Folgejahres für das Vorjahr. Alte Lücken aus beliebigen früheren Jahren lassen sich so nicht auffüllen.

Nachzahlen für offene Ausbildungszeiten

Für schulische Ausbildungszeiten gibt es eine eigene Nachzahlungsmöglichkeit. Sie betrifft Monate nach dem 16. Geburtstag, die bisher weder als Anrechnungszeit noch mit Beiträgen belegt sind. Typisch sind die Schulzeit zwischen dem 16. und 17. Geburtstag, Schul- oder Studienzeiten jenseits der acht anrechenbaren Jahre und weiterführende Hochschulzeiten wie eine Promotion. Die Nachzahlung wirkt wie ein freiwilliger Beitrag. Sie belegt den Monat für die Wartezeit und bringt Rentenpunkte.

Nachzahlen dürfen auch Pflichtversicherte. Der Antrag muss vor dem 45. Geburtstag gestellt werden. Nur in wenigen gesetzlichen Sonderfällen gelten andere Fristen. Welche Monate tatsächlich noch offen sind, stellt die Rentenversicherung vor der Zahlung fest.

Sonderzahlung für Abschläge hilft nicht bei der Wartezeit

Ab 50 kannst du außerdem Geld einzahlen, um die Abschläge einer vorgezogenen Altersrente ganz oder teilweise auszugleichen. Diese Sonderzahlung erhöht nur die Rente, für die Wartezeit zählt sie nicht. Wer die 35 Jahre nicht erreicht, kann sich damit also keinen früheren Rentenbeginn erkaufen.

Versicherungszeiten aus dem Ausland

Wer im Ausland gearbeitet hat, stellt sich meist zwei Fragen. Helfen die Jahre dort, eine deutsche Wartezeit zu erfüllen? Und wer zahlt für diese Jahre Rente? Beides hängt davon ab, in welchem Staat du versichert warst. Für die Wartezeit können ausländische Zeiten zählen, deine deutsche Rente berechnet sich aber immer nur aus deinen deutschen Beiträgen. Für die Jahre im Ausland zahlt der jeweilige Staat eine eigene Rente nach seinen Regeln.

Versichert inZählt für die deutsche WartezeitRente für die Auslandszeit
EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, GroßbritannienJazahlt der ausländische Staat
Staaten mit Sozialversicherungsabkommen, etwa USA, Türkei, KanadaJazahlt der ausländische Staat
Staaten ohne Abkommen, etwa UkraineNeinnur nach dem Recht des ausländischen Staates
Auslandszeiten und deutsche Wartezeit

EU, EWR, Schweiz und Großbritannien

Innerhalb der EU sowie mit Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz werden die Versicherungszeiten aller beteiligten Staaten zusammengerechnet. Für Großbritannien gilt das nach dem Brexit weiter, geregelt durch das Austritts- und das Handelsabkommen mit der EU. Ein vom ausländischen Träger bestätigter Monat zählt für die fünf und die 35 Jahre wie ein deutscher Monat.

Beispiel

Wer zehn Jahre in Deutschland und 25 Jahre in Italien versichert war, erfüllt die 35 Jahre für die deutsche Altersrente für langjährig Versicherte. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt eine Rente aus den zehn deutschen Jahren. Für die 25 Jahre zahlt Italien eine eigene Rente nach italienischem Recht.

Für die 45 Jahre zählen aus diesen Staaten vor allem Pflichtbeitragszeiten aus Beschäftigung oder selbstständiger Tätigkeit. Ausländische Arbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn bleibt dabei wie in Deutschland außen vor.

Staaten mit Sozialversicherungsabkommen

Mit 21 weiteren Staaten hat Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen, das auch die Rente regelt. Das sind Albanien, Australien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Chile, Indien, Israel, Japan, Kanada einschließlich Quebec, Kosovo, Marokko, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, die Philippinen, Serbien, Südkorea, Tunesien, die Türkei, Uruguay und die USA. Versicherungszeiten aus diesen Staaten werden für die deutsche Wartezeit ebenfalls mitgezählt, und jeder Staat zahlt seine Rente aus den eigenen Zeiten. Welche Zeiten genau zählen und ob sie auch für die 45 Jahre helfen, regelt jedes Abkommen einzeln.

Mit China gibt es nur ein Abkommen für Beschäftigte, die vorübergehend entsandt werden. Chinesische Versicherungszeiten zählen deshalb nicht für die deutsche Wartezeit.

Staaten ohne Abkommen am Beispiel der Ukraine

Mit allen übrigen Staaten werden keine Zeiten zusammengerechnet. Dazu gehört auch die Ukraine. Sie ist kein EU-Staat, und ein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland ist nicht in Kraft. Die Deutsche Rentenversicherung hat deshalb klargestellt, dass Arbeitsjahre aus der Ukraine nicht für die deutsche Wartezeit zählen und es für Geflüchtete keine Sonderregeln beim Rentenalter gibt.

Beispiel

Eine 1964 geborene Frau hat 35 Jahre in der Ukraine gearbeitet und ist 2022 nach Deutschland gekommen. Seitdem war sie vier Jahre versicherungspflichtig beschäftigt. Für die deutsche Wartezeit zählen nur diese vier Jahre. Arbeitet sie noch ein weiteres Jahr, erfüllt sie die fünf Jahre für die Regelaltersrente, die für ihren Jahrgang mit 67 beginnt. Die Rente berechnet sich aus den fünf deutschen Beitragsjahren und fällt entsprechend niedrig aus. Die 35 und die 45 Jahre kann sie nicht mehr erreichen.

Reicht eine so kleine Rente nicht zum Leben, kommt ergänzend Grundsicherung im Alter in Betracht. Anders ist die Lage nur für anerkannte Spätaussiedler. Bei ihnen werden Arbeitsjahre aus dem Herkunftsland nach dem Fremdrentengesetz wie deutsche Versicherungszeiten behandelt.

So weist du Auslandszeiten nach

Die ausländischen Zeiten musst du nicht selbst bei jedem Staat bescheinigen lassen. Gib sie in der Kontenklärung oder spätestens im Rentenantrag vollständig an, am besten mit Zeitraum, Arbeitgeber, Ort und der ausländischen Versicherungsnummer. Die Deutsche Rentenversicherung fragt die Zeiten dann direkt beim ausländischen Träger ab. Maßgeblich ist, was dieser als Versicherungszeit bestätigt. Arbeitsverträge, Lohnnachweise oder Versicherungsausweise aus dem Ausland beschleunigen die Klärung, ersetzen die Bestätigung aber nicht. Eine reine Schul- oder Studienzeit im Ausland wird dadurch nicht zur Versicherungszeit.

Innerhalb der EU reicht ein einziger Rentenantrag in dem Staat, in dem du wohnst. Er gilt zugleich als Antrag in allen anderen EU-Staaten, in denen du versichert warst.

Weitere Zeiten und besondere Ansprüche

Versorgungsausgleich und Rentensplitting

Aus einem Versorgungsausgleich nach der Scheidung oder einem Rentensplitting werden zusätzliche Wartezeitmonate errechnet. Sie zählen für die fünf und die 35 Jahre, für die 45 Jahre dagegen nicht. Deine eigenen Beitragsmonate bleiben davon unberührt.

Erwerbsminderung, Hinterbliebene und andere Wartezeiten

Bei einer Erwerbsminderungsrente gelten neben der allgemeinen Wartezeit zusätzliche versicherungsrechtliche Voraussetzungen. Bei Witwen-, Witwer- und Waisenrenten kommt es auf die Versicherungszeiten des Verstorbenen an. Daneben gibt es Wartezeiten von 15, 20 und 25 Jahren, etwa für bestimmte Reha-Leistungen, einen Sonderfall der Erwerbsminderungsrente oder die Rente für langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute. Für die üblichen Altersrenten bleiben fünf, 35 und 45 Jahre die entscheidenden Schwellen.

Grundrentenzeiten sind etwas anderes

Für die Grundrente sind mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten nötig, zwischen 33 und 35 Jahren steigt der mögliche Zuschlag stufenweise. Grundrentenzeiten sind aber keine vierte Wartezeit. Dazu gehören vor allem Pflichtbeiträge aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege sowie Berücksichtigungszeiten. Schule und Studium, freiwillige Beiträge und Zeiten mit Arbeitslosengeld zählen nicht. Eine erfüllte 35-jährige Wartezeit bedeutet deshalb nicht automatisch 35 Jahre Grundrentenzeiten.

So prüfst du dein Rentenkonto

Eine grobe Rechnung nach Lebensjahren reicht nicht. Der Versicherungsverlauf zeigt die gespeicherten Zeiten, die Rentenauskunft zeigt, welche Wartezeiten bereits erfüllt sind. Die jährliche Renteninformation mit ihrer Hochrechnung ersetzt diese Prüfung nicht. Beide Unterlagen erhältst du kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung.

Darauf achtest du im Versicherungsverlauf

  • Beschäftigung: Sind Hauptjob, Nebenjob, betriebliche Ausbildung und Minijob vollständig gespeichert?
  • Zeiten ohne Arbeitslohn: Stehen Kindererziehung, Schule, Studium, Wehr- oder Freiwilligendienst und Arbeitslosigkeit richtig im Konto?
  • Pflege: Stimmen die Pflegezeiten mit den Jahresbescheinigungen der Pflegekasse überein?
  • Ausland: Hat der ausländische Träger die dort zurückgelegten Zeiten bestätigt?

Fehlt eine Beschäftigung, lässt sie sich über Arbeitgeber und Rentenversicherung klären. Bei Pflegezeiten ist die Pflegekasse zuständig. Für Kindererziehung, Schulzeiten und andere noch nicht gespeicherte Abschnitte dient die Kontenklärung, in der du die Nachweise nachreichst.

Stehen die anrechenbaren Zeiten fest, ordnet der Rentenbeginnrechner die passenden Altersgrenzen deinem Geburtsdatum zu. Für den Rentenantrag zählt am Ende, ab welchem Monat Versicherungszeit und Altersgrenze tatsächlich zusammen erfüllt sind.