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Erwerbsminderungsrente: Anspruch, Höhe und Antrag

Die Erwerbsminderungsrente, früher Erwerbsunfähigkeitsrente oder kurz EU-Rente genannt, ist eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung für Menschen, die wegen Krankheit oder Behinderung nur noch eingeschränkt arbeiten können. Kannst du täglich weniger als drei Stunden arbeiten, kommt eine volle Erwerbsminderungsrente in Betracht. Bei drei bis unter sechs Stunden ist eine teilweise Erwerbsminderungsrente möglich.

Entscheidend ist nicht allein die Diagnose und auch nicht, ob du deinen bisherigen Beruf noch ausüben kannst. Die Rentenversicherung prüft, wie viele Stunden täglich du unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts noch arbeiten kannst. Hinzu kommen die erforderlichen Versicherungszeiten, Pflichtbeiträge und der Grundsatz „Reha vor Rente“.

Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente

Ob du eine volle oder eine teilweise Erwerbsminderungsrente erhältst, hängt davon ab, wie viele Stunden täglich du noch arbeiten kannst. Daraus ergeben sich weitere Unterschiede bei Rentenhöhe, Hinzuverdienst und Arbeitszeit.

MerkmalVolle ErwerbsminderungsrenteTeilweise Erwerbsminderungsrente
Leistungsfähigkeitweniger als 3 Stunden täglich3 bis unter 6 Stunden täglich
Rentenartfaktor1,00,5
Funktionersetzt das weitgehend weggefallene Erwerbseinkommenergänzt ein noch mögliches Teilzeiteinkommen
Hinzuverdienstniedrigere kalenderjährliche Grenzehöhere und möglicherweise individuelle Grenze
Arbeitszeitmuss grundsätzlich zur Leistungsfähigkeit von unter 3 Stunden passenmuss grundsätzlich unter 6 Stunden täglich bleiben

Wer mindestens sechs Stunden täglich arbeiten kann, gilt grundsätzlich nicht als erwerbsgemindert. Die aktuelle Arbeitsmarktlage spielt dabei normalerweise keine Rolle. Die gesetzliche Abgrenzung ergibt sich aus § 43 SGB VI.

Volle Erwerbsminderungsrente

Eine volle Erwerbsminderungsrente kommt in Betracht, wenn du wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten kannst.

„Voll“ bedeutet nicht, dass die Rente das frühere Nettoeinkommen vollständig ersetzt. Gemeint ist die volle Rentenart mit einem Rentenartfaktor von 1,0. Wie hoch die Zahlung tatsächlich ausfällt, hängt vor allem von den erworbenen Entgeltpunkten, der Zurechnungszeit und möglichen Abschlägen ab.

Teilweise Erwerbsminderungsrente

Eine teilweise Erwerbsminderungsrente, häufig auch Teilerwerbsminderungsrente genannt, ist möglich, wenn du auf nicht absehbare Zeit noch drei bis unter sechs Stunden täglich arbeiten kannst. Sie soll ein Einkommen aus einer Teilzeitbeschäftigung ergänzen.

Der Rentenartfaktor beträgt 0,5. Bei ansonsten gleichen Berechnungswerten ist die teilweise Erwerbsminderungsrente deshalb halb so hoch wie die volle.

Findest du trotz teilweiser Erwerbsminderung keinen geeigneten Teilzeitarbeitsplatz, kann die Rente in voller Höhe gezahlt werden. Dieser Sonderfall heißt Arbeitsmarktrente.

Voraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente

Eine schwere Erkrankung allein begründet noch keinen Rentenanspruch. Neben der eingeschränkten Leistungsfähigkeit müssen auch die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

BereichVoraussetzungDarauf kommt es an
MedizinischWegen Krankheit oder Behinderung sind auf nicht absehbare Zeit weniger als 6 Stunden Arbeit täglich möglich.Entscheidend sind die konkreten Auswirkungen auf Belastbarkeit und Arbeitsfähigkeit.
WartezeitVor Eintritt der Erwerbsminderung müssen grundsätzlich mindestens 5 Jahre mit Beitrags- oder Ersatzzeiten vorhanden sein.Neben Beschäftigungszeiten zählen etwa Kindererziehungszeiten sowie Pflichtbeiträge aus Pflege oder dem Bezug von Sozialleistungen.
PflichtbeiträgeIn den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen grundsätzlich 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen liegen.Bestimmte Zeiten können den Fünfjahreszeitraum verlängern.
VerfahrenDie Rente muss beantragt werden. Außerdem prüft die Rentenversicherung eine mögliche Rehabilitation.Medizinische Unterlagen und Versicherungsverlauf sollten vollständig sein.

Besonders wichtig ist der Zeitpunkt, zu dem die Erwerbsminderung eingetreten ist. Davon hängt ab, welcher Fünfjahreszeitraum für die Pflichtbeiträge geprüft wird. Dieser Leistungsfall kann deutlich vor dem Tag deines Rentenantrags liegen.

Ausnahmen bei Wartezeit und Pflichtbeiträgen

Bei einem Arbeitsunfall, einer Berufskrankheit oder einer Erwerbsminderung kurz nach Abschluss einer Ausbildung können erleichterte Voraussetzungen gelten. Auch Zeiten der Kindererziehung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit oder des Bezugs von Sozialleistungen können dein Versicherungskonto auffüllen oder den maßgeblichen Prüfungszeitraum verlängern.

Wer bereits vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit voll erwerbsgemindert war und seitdem ununterbrochen voll erwerbsgemindert geblieben ist, kann nach einer Wartezeit von 20 Jahren einen Anspruch erhalten. Diese Regel betrifft häufig Beschäftigte in einer Werkstatt für behinderte Menschen, ist aber nicht auf diese Personengruppe beschränkt.

Reha vor Rente

Die Rentenversicherung prüft vor der Bewilligung, ob eine medizinische oder berufliche Rehabilitation deine Erwerbsfähigkeit erhalten oder verbessern kann. Eine Reha muss nicht in jedem Fall tatsächlich durchgeführt werden. Bestehen jedoch realistische Chancen, die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen, geht die Reha der Rente vor.

Ein Reha-Entlassungsbericht kann für das spätere Verfahren entscheidend sein. Darin wird häufig eingeschätzt, welche Tätigkeiten noch möglich sind und wie viele Stunden täglich du arbeiten kannst.

Erwerbsminderungsrente mit 57 oder 60 Jahren

Für die Erwerbsminderungsrente gibt es kein festes Mindestalter. Ein Anspruch besteht grundsätzlich bis zur Regelaltersgrenze. Ob du 40, 50, 57 oder 60 Jahre alt bist, ändert nichts an der Stundenregel und den medizinischen Voraussetzungen.

Das Alter wirkt sich aber mittelbar aus. Ein längerer Versicherungsverlauf kann zu mehr Entgeltpunkten führen, und die Höhe der Abschläge hängt vom Alter bei Rentenbeginn ab. Die Erwerbsminderungsrente ist keine frei wählbare vorgezogene Altersrente, sondern setzt eine medizinisch festgestellte Erwerbsminderung voraus. Stehst du kurz vor dem Anspruch auf eine Altersrente, etwa für schwerbehinderte Menschen, solltest du vergleichen, welche Rente für dich günstiger ist.

Krankheiten und Diagnosen

Viele Anträge beruhen auf Depressionen, Krebserkrankungen, Rückenleiden, chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologischen Erkrankungen. Eine feste Liste von Krankheiten und Diagnosen, die automatisch zur EM-Rente führen, gibt es jedoch nicht.

Entscheidend ist, wie sich die Erkrankung auf Konzentration, Belastbarkeit, Beweglichkeit, Ausdauer und Zuverlässigkeit auswirkt. Ein ICD-Code belegt eine Diagnose, sagt aber noch nicht, wie viele Stunden täglich du arbeiten kannst. Hast du mehrere Erkrankungen, zählt ihr Zusammenspiel: Auch Einschränkungen, die einzeln nicht ausreichen würden, können gemeinsam eine Erwerbsminderung begründen.

Medizinische Berichte sollten deshalb nachvollziehbar beschreiben, welche konkreten Einschränkungen bestehen. Welche Befunde bei einzelnen Krankheiten wichtig sind und wie du sie im Antrag darstellst, erfährst du unter Erwerbsminderungsrente bei Krankheiten.

Erwerbsunfähigkeitsrente, EU-Rente und Arbeitsunfähigkeit

Die Begriffe Erwerbsunfähigkeitsrente und EU-Rente werden weiterhin häufig verwendet. Für neue Rentenfälle wurde die frühere Erwerbsunfähigkeitsrente jedoch zum 1. Januar 2001 durch die volle und teilweise Erwerbsminderungsrente ersetzt. Bestehende Renten nach altem Recht können weiterhin unter ihrer bisherigen Bezeichnung gezahlt werden.

Von der Erwerbsminderung sind weitere Begriffe zu unterscheiden:

  • Arbeitsunfähigkeit: Eine Krankschreibung bezieht sich auf die bisherige Tätigkeit. Erwerbsminderung betrifft die Leistungsfähigkeit auf dem gesamten allgemeinen Arbeitsmarkt.
  • Berufsunfähigkeit: Bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente ist grundsätzlich nicht entscheidend, ob der bisherige Beruf noch ausgeübt werden kann. Eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit bietet nur eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie zahlt unabhängig von der gesetzlichen Rente und nach eigenen Bedingungen.
  • Schwerbehinderung und GdB: Ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr führt nicht automatisch zu einer Erwerbsminderungsrente. GdB und Erwerbsfähigkeit werden nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt.
  • Pflegegrad: Der Pflegegrad beschreibt den Unterstützungsbedarf im Alltag. Er legt nicht fest, wie viele Stunden jemand noch arbeiten kann.

Wie hoch die Erwerbsminderungsrente ausfällt

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente ist individuell. Maßgeblich sind die erworbenen Entgeltpunkte, die Zurechnungszeit, der Zugangsfaktor, der Rentenartfaktor und der aktuelle Rentenwert. Die vereinfachte Rentenformel lautet:

Monatliche Bruttorente = Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert × Rentenartfaktor

Die Zurechnungszeit behandelt Versicherte bei der Berechnung so, als hätten sie mit ihrem bisherigen Durchschnittsverdienst bis zu einem gesetzlich festgelegten Alter weitergearbeitet. Abschläge wirken sich über den Zugangsfaktor aus. Der Rentenartfaktor beträgt bei voller Erwerbsminderung 1,0 und bei teilweiser Erwerbsminderung 0,5. Seit der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent liegt der aktuelle Rentenwert bei 42,52 Euro je Entgeltpunkt.

Von der Bruttorente gehen insbesondere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Abhängig von Rentenbeginn und Gesamteinkommen kann außerdem Einkommensteuer auf die Erwerbsminderungsrente anfallen.

Wie sich Zurechnungszeit, Abschläge und Abzüge im Einzelnen auswirken, zeigt Höhe der Erwerbsminderungsrente mit einer Beispielrechnung. Deinen eigenen Betrag kannst du mit dem Erwerbsminderungsrente-Rechner überschlagen.

Zuschlag für ältere Erwerbsminderungsrenten

Wer eine Erwerbsminderungsrente mit Beginn zwischen Januar 2001 und Dezember 2018 bezieht, erhält einen Zuschlag. Hintergrund: Diese EM-Renten haben von den späteren Verlängerungen der Zurechnungszeit nicht profitiert. Bei Rentenbeginn bis Juni 2014 beträgt der Zuschlag 7,5 Prozent, bei Beginn von Juli 2014 bis Dezember 2018 sind es 4,5 Prozent. Bei einer Bruttorente von 1.000 Euro sind das grob 75 bzw. 45 Euro im Monat. Der Zuschlag gilt auch für eine unmittelbar anschließende Altersrente und für Hinterbliebenenrenten, die direkt an eine solche Rente anschließen. Er wird automatisch gezahlt, seit Dezember 2025 als Teil der laufenden Rente. Ein Antrag ist nicht nötig. Eine Nachzahlung aus der Umstellung fällt in der Regel nur im Cent-Bereich an. Für neue Rentenanträge gibt es den Zuschlag nicht.

Nachteile der Erwerbsminderungsrente

Die Erwerbsminderungsrente sichert das Einkommen ab, erreicht aber regelmäßig nicht die Höhe des früheren Verdienstes. Ein wesentlicher Grund sind die Abschläge: Für jeden Monat, den die Rente vor dem 65. Geburtstag beginnt, wird sie um 0,3 Prozent gemindert, höchstens um 10,8 Prozent. Da die meisten Erwerbsminderungsrenten vor dem 62. Geburtstag beginnen, fällt in der Praxis fast immer der volle Abschlag an. Er bleibt dauerhaft und wirkt in der Regel auch in einer späteren Altersrente fort.

Neben den Abschlägen gibt es weitere Nachteile, die du vor dem Antrag kennen solltest:

  • Eine Erwerbsminderungsrente wird grundsätzlich befristet bewilligt. Vor jeder Verlängerung wird der Gesundheitszustand erneut geprüft.
  • Die Einhaltung der Hinzuverdienstgrenze allein reicht nicht. Auch Arbeitszeit und Tätigkeit müssen zur festgestellten Leistungsfähigkeit passen, sonst kann der Anspruch entfallen. Details erklärt Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente.
  • Die Rente ist grundsätzlich steuerpflichtig. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt vom Gesamteinkommen ab.
  • Eine Rentenbewilligung kann Folgen für das Arbeitsverhältnis haben. Nach manchen Tarifverträgen, etwa dem TVöD, endet das Arbeitsverhältnis bei einer unbefristeten Rente oder ruht bei einer befristeten. Ohne solche Regeln endet es nicht automatisch.

Wie viel nach Abschlägen tatsächlich übrig bleibt, kannst du mit dem Erwerbsminderungsrente-Rechner abschätzen.

Antrag, Gutachten und Bescheid

Die Erwerbsminderungsrente wird nicht automatisch gezahlt. Der Antrag kann online, schriftlich oder mit Unterstützung einer Beratungsstelle gestellt werden. Eine Schritt-für-Schritt-Erklärung mit allen benötigten Unterlagen findest du unter Erwerbsminderungsrente beantragen. Auch ein Antrag auf Reha kann als Rentenantrag gelten, wenn die Reha keinen Erfolg verspricht oder die Erwerbsfähigkeit nicht wiederherstellen konnte. Das kann sich auf den Rentenbeginn auswirken.

Für die medizinische Prüfung sind vor allem aussagekräftige Befundberichte, Klinik- und Reha-Berichte, Angaben zu Behandlungen sowie eine vollständige Übersicht der behandelnden Ärzte wichtig. Eine Aufzählung von Diagnosen genügt regelmäßig nicht. Aus den Unterlagen sollte hervorgehen, welche Belastungen nicht mehr möglich sind und wie sich die Einschränkungen im Arbeitsalltag auswirken.

Prüfe außerdem deinen Versicherungsverlauf. Ungeklärte Zeiten oder fehlende Pflichtbeiträge können den Anspruch gefährden, obwohl die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind.

Ärztliches Gutachten

Reichen die vorhandenen Unterlagen für eine Entscheidung über die EM-Rente nicht aus, kann die Rentenversicherung ein ärztliches Gutachten veranlassen. Geprüft werden der Gesundheitszustand, die bisherigen Behandlungen und das verbliebene Leistungsvermögen.

Der Gutachter entscheidet nicht allein über den Antrag. Seine Einschätzung hat für die Rentenversicherung aber erhebliches Gewicht. Wie der Termin abläuft und welche Unterlagen sinnvoll sind, erklärt Gutachter bei Erwerbsminderungsrente.

Bewilligung oder Ablehnung

Bei einer Bewilligung nennt der Rentenbescheid unter anderem Rentenart, Rentenbeginn, Höhe und Dauer. Diese Angaben solltest du sorgfältig prüfen. Auch ein grundsätzlich positiver Bescheid kann einen zu späten Beginn, unvollständige Versicherungszeiten oder nur eine teilweise statt einer vollen Erwerbsminderung enthalten. In diesen Fällen ist ebenfalls ein Widerspruch möglich.

Wird der Antrag abgelehnt, kommt es besonders auf die Begründung und die festgestellte tägliche Leistungsfähigkeit an. Gegen den Bescheid kannst du grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch einlegen. Die nächsten Schritte zeigt Erwerbsminderungsrente abgelehnt.

Rentenbeginn und mögliche Nachzahlung

Der Beginn der Erwerbsminderungsrente richtet sich nicht allein nach dem Tag des Antrags. Maßgeblich sind der festgestellte Eintritt der Erwerbsminderung, die Befristung und der Zeitpunkt der Antragstellung.

Wird der Antrag bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach Eintritt der Erwerbsminderung gestellt, kann die EM-Rente ab dem Folgemonat beginnen. Bei einem späteren Antrag beginnt sie erst mit dem Monat der Antragstellung. Ein früher Antrag lohnt sich deshalb.

Befristete Erwerbsminderungsrenten werden nach § 101 SGB VI zusätzlich frühestens ab dem siebten Kalendermonat nach Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt. Eine Ausnahme gilt für rein medizinisch begründete befristete Renten wegen voller Erwerbsminderung: Entfällt durch die Feststellung der Rentenversicherung der Anspruch auf Arbeitslosengeld oder endet danach das Krankengeld oder private Krankentagegeld, beginnt die Rente bereits am Folgetag.

Wird erst Monate nach dem maßgeblichen Rentenbeginn entschieden, entsteht eine Nachzahlung. Sie wird mit 4 Prozent verzinst, frühestens ab sechs Monaten nach Eingang des vollständigen Antrags. Haben Krankenkasse, Arbeitsagentur, Jobcenter oder Sozialamt für denselben Zeitraum Leistungen erbracht, werden zunächst deren Erstattungsansprüche verrechnet. Nur der verbleibende Betrag wird an dich ausgezahlt.

Befristete oder unbefristete Erwerbsminderungsrente

Eine Erwerbsminderungsrente wird in der Regel zunächst befristet bewilligt, und zwar jeweils für höchstens drei Jahre. Danach kann sie auf neuen Antrag verlängert werden, den du rechtzeitig vor Ablauf der Frist stellen solltest.

Eine unbefristete Erwerbsminderungsrente kommt in Betracht, wenn eine wesentliche gesundheitliche Besserung unwahrscheinlich ist und der Anspruch nicht von der Arbeitsmarktlage abhängt. Das kann bereits bei der ersten Bewilligung der Fall sein. Spätestens nach insgesamt neun Jahren Befristung gilt eine rein medizinisch begründete Rente in der Regel als dauerhaft. Auch eine unbefristete Rente kann allerdings entzogen werden, wenn sich der Gesundheitszustand später wesentlich bessert.

Für eine Arbeitsmarktrente gilt die Neun-Jahres-Regel nicht. Sie bleibt befristet, weil sich die Lage auf dem Teilzeitarbeitsmarkt verändern kann. Die Einzelheiten zur Weiterzahlung erklärt Erwerbsminderungsrente verlängern.

Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente 2026

Auch mit einer Erwerbsminderungsrente darfst du arbeiten und Geld hinzuverdienen. Dabei musst du zwei Grenzen im Blick behalten: die jährliche Hinzuverdienstgrenze und das festgestellte Leistungsvermögen.

Für 2026 gelten folgende Hinzuverdienstgrenzen:

  • Bei voller Erwerbsminderungsrente liegt die Grenze bei 20.763,75 Euro im Kalenderjahr.
  • Bei teilweiser Erwerbsminderungsrente liegt sie bei mindestens 41.527,50 Euro. Abhängig vom höchsten Einkommen der letzten 15 Jahre vor der Erwerbsminderung kann eine höhere individuelle Grenze gelten.
  • Verdienst du mehr, wird ein Zwölftel des übersteigenden Jahresbetrags zu 40 Prozent auf die monatliche Rente angerechnet. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt die Beispielrechnung unter Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente.

Unabhängig vom Verdienst muss die Arbeit zur festgestellten Erwerbsminderung passen. Bei voller Erwerbsminderung heißt das grundsätzlich weniger als drei Stunden täglich, bei teilweiser Erwerbsminderung weniger als sechs Stunden.

Willst du testen, ob mehr geht, kannst du seit 2024 eine Arbeitserprobung nutzen. Sie dauert in der Regel sechs Monate und kann im Einzelfall kürzer oder länger ausfallen. In dieser Zeit bleibt dein Rentenanspruch bestehen, die Hinzuverdienstgrenze gilt aber weiterhin. Klappt die Rückkehr in den Beruf und arbeitest du dauerhaft weiter, prüft die Rentenversicherung die EM-Rente nur für die Zukunft, eine Rückforderung für die Vergangenheit gibt es nicht.

Wichtig: Bevor du eine Arbeit aufnimmst oder ausweitest, solltest du die Rentenversicherung über Arbeitszeit, Tätigkeit und voraussichtlichen Verdienst informieren. So lassen sich Kürzungen und Rückforderungen vermeiden.

Wenn die Erwerbsminderungsrente nicht zum Leben reicht

Reicht die Rente nicht aus, kommen ergänzende Leistungen infrage. Welche das ist, hängt nicht allein von der Rentenart ab, sondern vor allem davon, wie viele Stunden du noch arbeiten kannst, ob die Erwerbsminderung dauerhaft ist und welches Einkommen und Vermögen du hast.

  • Bei dauerhafter voller Erwerbsminderung zahlt das Sozialamt bei Bedürftigkeit Grundsicherung bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII.
  • Bei befristeter voller Erwerbsminderung kommt stattdessen Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII in Betracht, ebenfalls über das Sozialamt.
  • Bei teilweiser Erwerbsminderung bist du mit mindestens drei Stunden täglich noch erwerbsfähig. Zuständig ist dann grundsätzlich das Jobcenter (Grundsicherungsgeld, früher Bürgergeld).
  • Wohngeld geht diesen Leistungen vor, wenn Rente und Wohngeld zusammen den Lebensunterhalt decken. Wer Grundsicherung bezieht, erhält dagegen kein Wohngeld, weil die Wohnkosten dort bereits enthalten sind.

Eine Besonderheit gilt für die Arbeitsmarktrente: Sie wird zwar in voller Höhe gezahlt, medizinisch bist du aber nur teilweise erwerbsgemindert. Zuständig ist deshalb in der Regel das Jobcenter, nicht das Sozialamt. Wie die Rente dabei angerechnet wird und welche Vermögensgrenzen gelten, erklärt Grundsicherung bei Erwerbsminderungsrente.

Wechsel von der Erwerbsminderungsrente in die Altersrente

Eine Erwerbsminderungsrente wird längstens bis zur Regelaltersgrenze gezahlt. Danach wandelt die Rentenversicherung sie automatisch in eine Regelaltersrente um, ein Antrag ist dafür nicht nötig.

Die Altersrente baut auf der bisherigen Erwerbsminderungsrente auf. Beim nahtlosen Wechsel sorgt ein Besitzschutz dafür, dass die bereits berücksichtigten Entgeltpunkte nicht unterschritten werden. Die Abschläge der Erwerbsminderungsrente bleiben dabei in der Regel bestehen. Bei einer teilweisen Erwerbsminderungsrente gilt das allerdings nur für die Hälfte der Entgeltpunkte.

Erfüllst du die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente, etwa für schwerbehinderte Menschen, kannst du auch schon früher wechseln. Das kann sich lohnen, wenn du mehr hinzuverdienen willst, denn für Altersrenten gilt seit 2023 keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Wann sich ein früherer Wechsel rechnet und was beim Besitzschutz zu beachten ist, erklärt Altersrente nach Erwerbsminderungsrente.

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