Die Rentenwerte sind längst angeglichen. Bei den tatsächlich gezahlten Altersrenten bleibt der Unterschied dennoch deutlich: In den neuen Ländern und im Ostteil Berlins lag der durchschnittliche Rentenzahlbetrag Ende 2025 bei 1.393 Euro im Monat. Im ursprünglichen Bundesgebiet waren es 1.147 Euro. Der Osten lag damit um 246 Euro oder gut 21 Prozent vorn.
Das geht aus dem im Juli 2026 veröffentlichten Statistikband „Rente 2025“ der Deutschen Rentenversicherung hervor. Erfasst wurden 19,09 Millionen laufende Altersrenten. Die Zahlen widersprechen der verbreiteten Vorstellung, eine gesetzliche Altersrente müsse im Westen wegen der dort lange höheren Löhne automatisch höher ausfallen.
Bei Frauen beträgt der Abstand 398 Euro
Besonders groß ist der Unterschied bei Frauen. Altersrentnerinnen mit Wohnsitz in den neuen Ländern und Ost-Berlin kamen im Durchschnitt auf 1.313 Euro. Im Westen waren es nur 915 Euro. Die Differenz von 398 Euro entspricht fast 44 Prozent des Westwerts.
Bei Männern liegen die Ergebnisse wesentlich näher beieinander. Im Osten betrug der durchschnittliche Zahlbetrag 1.497 Euro, im Westen 1.438 Euro. Hier blieb ein Abstand von 59 Euro oder rund vier Prozent.
| Altersrenten Ende 2025 | West | Ost | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Insgesamt | 1.147 € | 1.393 € | +246 € |
| Männer | 1.438 € | 1.497 € | +59 € |
| Frauen | 915 € | 1.313 € | +398 € |
Der starke Frauenunterschied zieht damit auch den Gesamtwert im Osten nach oben. Die Statistik selbst zerlegt die Ursachen nicht. Die Deutsche Rentenversicherung hat bei einer früheren Regionalauswertung als wichtigsten Grund genannt, dass Frauen im Osten seltener in Teilzeit beschäftigt waren. Längere und geschlossenere Erwerbsbiografien führen zu mehr Beitragsjahren und damit meist zu einer höheren eigenen Rente.
Gleicher Rentenwert bedeutet nicht gleiche Rente
Der regionale Abstand entsteht nicht dadurch, dass ein Rentenpunkt im Osten heute mehr wert wäre. Seit Juli 2023 gilt in Ost und West derselbe aktuelle Rentenwert. Seit Januar 2025 gelten laut Bundesarbeitsministerium auch bei weiteren Berechnungsgrößen einheitliche Werte. Die besondere Hochwertung entfällt für ab 2025 erzielte Verdienste im Osten.
Die Rentenhöhe hängt trotzdem von der gesamten Versicherungsbiografie ab. Entscheidend sind vor allem die Zahl der erworbenen Rentenpunkte, die Versicherungsdauer sowie mögliche Zu- oder Abschläge. Gleiche Rechenregeln liefern deshalb keine gleichen Zahlbeträge, wenn sich frühere Erwerbsverläufe unterscheiden.
Der Blick in den Rentenbestand 2005 zeigt, dass der Ost-Vorsprung kein neues Phänomen ist. Damals lag der durchschnittliche Zahlbetrag einer Altersrente im Osten bei 820 Euro und im Westen bei 694 Euro. Der nominale Abstand wuchs seitdem von 126 auf 246 Euro. Relativ veränderte er sich weit weniger: 2005 lag der Ostwert rund 18 Prozent über dem Westwert, 2025 waren es gut 21 Prozent. Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.
Die Zahlen zeigen nicht das gesamte Alterseinkommen
Die 1.393 beziehungsweise 1.147 Euro sind keine Bruttorenten. Die DRV bezeichnet den Rentenzahlbetrag als „Nettorente vor Steuern“. Bei pflichtversicherten Rentnern sind die eigenen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits berücksichtigt. Einkommensteuer wird dagegen nicht abgezogen.
Ebenso wenig erfasst der Vergleich Betriebsrenten, Pensionen, private Vorsorge, Kapital- oder Mieteinkünfte und die Rente eines Ehepartners. Die Werte beschreiben einzelne gesetzliche Altersrenten, nicht das verfügbare Einkommen eines Rentnerhaushalts. Genau deshalb kann die durchschnittliche Altersrente deutlich unter dem gesamten Alterseinkommen liegen.
Auch die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent ändert die Rangfolge nicht grundsätzlich. Sie hob laufende Renten in beiden Landesteilen mit demselben Anpassungssatz an. Der aktuelle Kontobetrag lässt sich aus den Durchschnittswerten vom Jahresende 2025 dennoch nicht centgenau hochrechnen, weil sich der Rentenbestand verändert und unterschiedliche Krankenkassenbeiträge den Zahlbetrag beeinflussen können.