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Neue Rentner-Zahlen zeigen die große Lücke der Aktivrente

Die Aktivrente verspricht bis zu 2.000 Euro steuerfreien Arbeitslohn im Monat. Neue Destatis-Daten zeigen jedoch, wie wenig die heutigen Erwerbsformen vieler Rentner zu diesem Bonus passen. 27 Prozent der arbeitenden Rentner zwischen 65 und 74 Jahren sind selbstständig. Von den abhängig Beschäftigten arbeiten 65 Prozent geringfügig. Beide Gruppen sind von der Aktivrente ausgeschlossen. Aus den gerundeten Anteilen ergibt sich: Rund 74 Prozent arbeiten in Erwerbsformen, die der Steuerbonus nicht begünstigt.

14 Prozent der Rentner arbeiten weiter

Nach den am 5. August veröffentlichten Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 waren 14 Prozent der Bezieher einer gesetzlichen Altersrente zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig. Ein Jahr zuvor waren es 13 Prozent.

Männer mit Altersrente arbeiteten mit 16 Prozent häufiger als Frauen mit 11 Prozent. Besonders hoch war der Anteil bei den 65- und 66-Jährigen. Von ihnen ging knapp jeder Fünfte noch einer Erwerbstätigkeit nach. Bei den 73- und 74-Jährigen waren es noch 8 Prozent.

Entscheidend für die Aktivrente ist aber nicht nur, ob jemand arbeitet. Es kommt auf die Form der Beschäftigung an. Genau hier zeigen die neuen Zahlen eine auffällige Lücke.

Rund 74 Prozent arbeiten in nicht begünstigten Erwerbsformen

Destatis zufolge waren 73 Prozent der erwerbstätigen Rentner abhängig beschäftigt und 27 Prozent selbstständig. Unter den abhängig Beschäftigten wiederum arbeiteten 65 Prozent geringfügig.

Auf 100 erwerbstätige Rentner heruntergebrochen ergibt das eine einfache Modellrechnung. Von 100 sind 73 abhängig beschäftigt. Rund 47 von ihnen arbeiten geringfügig, denn 65 Prozent von 73 entsprechen etwa 47. Hinzu kommen 27 Selbstständige. Damit arbeiten rechnerisch rund 74 von 100 in einer der beiden Erwerbsformen, die von der Aktivrente nicht erfasst werden.

Die Rechnung ist bewusst nur eine Annäherung, weil Destatis die veröffentlichten Prozentwerte rundet. Sie zeigt außerdem nicht, wie viele Menschen 2026 tatsächlich Aktivrente erhalten. Die Daten stammen aus dem Jahr 2025 und damit aus der Zeit vor Einführung des Steuerfreibetrags. Sie machen aber sichtbar, wie stark das Fördermodell von der bisherigen Arbeitsrealität im Ruhestand abweicht.

Minijob und Selbstständigkeit bekommen den Bonus nicht

Die Aktivrente gilt seit 1. Januar 2026. Nach § 3 Nr. 21 EStG und den Erläuterungen des Bundesfinanzministeriums können Beschäftigte nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei erhalten. Voraussetzung ist eine regulär sozialversicherungspflichtige nichtselbstständige Beschäftigung.

Minijobs sind ausdrücklich ausgeschlossen. Das gilt nach Angaben des Bundesfinanzministeriums unabhängig davon, ob der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal abführt oder nach den individuellen Steuermerkmalen abrechnet. Auch Selbstständige erhalten den Freibetrag nicht.

Das ist für die neue Statistik zentral. Ein Minijob neben der Altersrente kann zwar ohne Kürzung der Altersrente ausgeübt werden. Er wird dadurch aber nicht zur Aktivrente. 2026 liegt die Minijob-Grenze bei 603 Euro im Monat.

Anders sieht es bei einem Midijob aus. Das Bundesfinanzministerium nennt für 2026 den Übergangsbereich von 603,01 Euro bis 2.000 Euro monatlich ausdrücklich als begünstigungsfähig. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und in einem solchen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis arbeitet, kann den Steuerfreibetrag grundsätzlich nutzen.

Selbst regulär Beschäftigte erfüllen nicht automatisch alle Voraussetzungen

Auch die übrigen rund 26 Prozent der arbeitenden Rentner sind nicht automatisch Aktivrentner. Der Steuerbonus setzt zusätzlich voraus, dass die persönliche Regelaltersgrenze bereits erreicht ist. Ein 65-Jähriger mit vorgezogener Altersrente und regulärem Job kann deshalb trotz Sozialversicherungspflicht noch nicht von der Aktivrente profitieren.

Der monatliche Freibetrag von bis zu 2.000 Euro ist zudem keine Auszahlung. Steuerfrei wird nur tatsächlich erzielter begünstigter Arbeitslohn. Sozialabgaben verschwinden dadurch ebenfalls nicht.

Die Bundesregierung meldete zuletzt gut 10.000 Nutzer der Aktivrente im ersten Halbjahr 2026. Die neuen Destatis-Zahlen erklären zumindest einen Teil der schmalen Reichweite. Ein großer Teil der Rentner arbeitet weiter, aber eben in Formen, die der Gesetzgeber vom Steuerbonus ausgeschlossen hat. Ob die Aktivrente diese Struktur künftig in Richtung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verschiebt, lässt sich erst mit Daten für 2026 beurteilen.