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Rentnerhaushalte haben 2.330 Euro im Monat – fast jeder Fünfte ist armutsgefährdet

2.330 Euro im Monat stehen einem Rentnerhaushalt in Deutschland im Median zur Verfügung. Auf den ersten Blick klingt das nicht nach akuter Geldnot. Doch die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen die andere Seite: 18,9 Prozent der Ruheständler ab 65 gelten als armutsgefährdet.

Der scheinbare Widerspruch hat einen Grund. Die 2.330 Euro sind keine Durchschnittsrente, sondern das verfügbare Einkommen des gesamten Haushalts. Darin können neben gesetzlicher Rente auch Pensionen, Betriebs- und Privatrenten, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge stecken.

2.330 Euro sind keine Durchschnittsrente

Die neue EU-SILC-Auswertung des Statistischen Bundesamtes betrachtet Haushalte, in denen ausschließlich Menschen ab 65 Jahren im Ruhestand leben. Insgesamt gehörten 2025 rund 13,6 Millionen Menschen zu diesen Haushalten.

Der Betrag von 2.330 Euro ist ein Median. Die eine Hälfte der betrachteten Haushalte hatte mehr zur Verfügung, die andere Hälfte weniger. Er sagt deshalb etwas anderes aus als ein Durchschnittswert.

Vor allem aber beschreibt er den ganzen Haushalt. Ende 2025 lag der durchschnittliche Zahlbetrag einer gesetzlichen Altersrente bei 1.195,31 Euro. Wie stark sich einzelne Rentenbeträge und gesamte Alterseinkommen unterscheiden können, zeigt renten.net auf der Seite zur Durchschnittsrente 2025 und 2026.

2.700 Euro Lohn reichen nach 45 Jahren nur für Grundsicherungsniveau

Fast jeder Fünfte bleibt trotzdem unter der Armutsgrenze

Genau hier kippt das Bild. Trotz des mittleren Haushaltsnettos von 2.330 Euro waren 18,9 Prozent der Menschen ab 65 Jahren im Ruhestand armutsgefährdet. In der Gesamtbevölkerung lag die Quote bei 16,1 Prozent.

Auch zwischen Ost und West ist der Unterschied erstaunlich klein. Im Osten waren 18,5 Prozent armutsgefährdet, im Westen 19,0 Prozent.

Armutsgefährdung bedeutet dabei nicht automatisch, dass Anspruch auf Grundsicherung besteht. Die EU-Statistik setzt die Schwelle bei weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung an. Für die Grundsicherung im Alter zählen dagegen der individuelle Bedarf, Wohn- und Heizkosten, anrechenbares Einkommen und Vermögen.

Wie groß der Druck am unteren Ende ist, zeigen die Sozialhilfedaten: Ende 2025 bezogen bereits 764.065 Menschen Grundsicherung im Alter.

Ost und West liegen beim Einkommen erstaunlich nah beieinander

Beim verfügbaren Haushaltseinkommen beträgt der Abstand gerade einmal 80 Euro. In den westlichen Bundesländern lag der Median bei 2.350 Euro im Monat, im Osten einschließlich Berlin bei 2.270 Euro. Das überrascht, weil die Einkommensstruktur dahinter deutlich unterschiedlich ist.

Im Osten stammten durchschnittlich 96 Prozent des Haushaltseinkommens aus Renten und Pensionen. Einnahmen aus Vermögen wie Vermietung oder Kapitalanlagen machten nur rund ein Prozent aus. Im Westen kamen 92 Prozent aus Renten und Pensionen. Gut vier Prozent entfielen auf Vermögenseinnahmen. Bundesweit lag deren Anteil bei knapp vier Prozent. Weitere zwei Prozent stammten aus Transfers wie der Grundsicherung im Alter und rund ein Prozent aus Erwerbstätigkeit.

Beim Vermögen sieht der Unterschied größer aus

Die monatlichen Einkommen liegen also erstaunlich eng beieinander. Doch bei der finanziellen Basis dahinter öffnet sich die Schere stärker.

Westdeutsche Ruheständler-Haushalte greifen häufiger auf Mieteinnahmen, Zinsen oder andere Vermögenseinkommen zurück. Im Osten hängt das Haushaltsbudget deutlich stärker an Rente und Pension.

Das macht einen Unterschied, wenn zusätzliche Kosten entstehen oder die laufende Rente knapp wird. Zwei Haushalte mit demselben Nettoeinkommen können finanziell sehr unterschiedlich dastehen, wenn der eine zusätzlich Vermögen hat und der andere nicht.

Eine eigene Wohnung verändert die Rechnung

Noch deutlicher wird das beim Wohnen. Zwei Rentnerhaushalte können beide 2.330 Euro netto im Monat haben – der eine zahlt 900 Euro Miete, der andere lebt in einer abbezahlten Wohnung.

Bundesweit wohnten 57 Prozent der Ruheständler ab 65 Jahren im Eigentum. Im Westen waren es 61 Prozent, im Osten dagegen nur 44 Prozent. Dort lebte mit 56 Prozent die Mehrheit zur Miete.

Selbst genutztes Wohneigentum zählt in der Statistik nicht als Einkommen. Genau deshalb sagt der reine Monatsbetrag wenig darüber aus, wie viel nach den festen Kosten tatsächlich übrig bleibt.

Die 2.330 Euro hinken der Gegenwart ein Jahr hinterher

Die heute veröffentlichten Daten tragen das Berichtsjahr 2025. Bei den Einkommensangaben steckt jedoch eine zeitliche Verschiebung darin, die leicht übersehen wird.

EU-SILC verwendet für die Einkommensmessung das verfügbare Haushaltsnettoeinkommen des Jahres vor der Befragung. Die jetzt veröffentlichten 2.330 Euro beschreiben deshalb die Einkommensverhältnisse des Jahres 2024 – nicht das Einkommen, das Rentner im September 2026 auf ihrem Konto haben.

Auch Menschen in Einrichtungen wie Pflege- oder Altersheimen fehlen vollständig. Erfasst werden nur Personen in privaten Haushalten am Hauptwohnsitz.

Die neuen Zahlen erzählen deshalb keine Geschichte von einer angeblichen „Durchschnittsrente von 2.330 Euro“. Sie zeigen vielmehr, wie unterschiedlich Alterseinkommen zusammengesetzt sind und wie wenig ein einzelner Medianwert über die tatsächliche finanzielle Lage verrät.

Fast jeder fünfte Ruheständler bleibt nach der amtlichen Definition armutsgefährdet – trotz Rente, Pension und möglicher Zusatzeinkünfte.