Knapp sieben Millionen gesetzliche Altersrenten lagen bereits brutto unter 1.000 Euro. Nach den Abzügen für Kranken- und Pflegeversicherung waren es mehr als acht Millionen. Über eine Million Rentenzahlungen rutschten damit allein durch die Sozialbeiträge unter die vierstellige Marke. Hinter der Rechnung stehen Daten aus einer Antwort der Bundesregierung vom 26. März 2026. Ausgewertet wurde der Rentenbestand zum 31. Dezember 2024. Damals blieben 6.962.475 Altersrenten beim Bruttobetrag unter 1.000 Euro im Monat. Beim tatsächlichen Rentenzahlbetrag waren es 8.025.711.
Zwischen beiden Gruppen liegen genau 1.063.236 Renten. Durch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung stieg die Zahl der Altersrenten unter 1.000 Euro somit rechnerisch um 15,3 Prozent. Bezogen auf sämtliche erfassten Altersrenten lag der Anteil mit einem Zahlbetrag unter 1.000 Euro bei gut 42 Prozent. Mehr als vier von zehn Zahlungen blieben also dreistellig.
Vom Bruttobetrag bleibt nicht nur wegen der Steuer weniger
Oft richtet sich der Blick zuerst auf die mögliche Einkommensteuer. Schon vorher sinkt die Auszahlung jedoch durch die Sozialbeiträge. Pflichtversicherte Rentner tragen die Hälfte des allgemeinen Krankenversicherungsbeitrags und die Hälfte des Zusatzbeitrags ihrer Krankenkasse. Die Rentenversicherung übernimmt jeweils die andere Hälfte. Hinzu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung, den Rentner grundsätzlich allein zahlen. Wie sich diese Posten auswirken, erklärt die Übersicht zu den Abzügen durch die Krankenversicherung der Rentner.
Was nach diesen Abzügen überwiesen wird, bezeichnet die Statistik als Rentenzahlbetrag oder Nettorente vor Steuern. Persönliche Steuern sind darin noch nicht berücksichtigt. Je nach Krankenkasse, Versicherungsstatus, Elterneigenschaft und steuerlicher Situation kann der tatsächlich verfügbare Betrag deshalb nochmals abweichen.
Besonders sichtbar wird die Belastung knapp oberhalb der Schwelle. Eine Bruttorente von etwas mehr als 1.000 Euro kann nach Kranken- und Pflegebeiträgen deutlich darunter liegen. Genau dieser Effekt erklärt die zusätzliche Million in der amtlichen Statistik.
Diese Rentenzahl landet später nicht auf dem Konto
Selbst der damalige Grundsicherungsbedarf lag höher
Ende 2024 betrug der durchschnittliche Bruttobedarf der Grundsicherung im Alter nach Angaben der Bundesregierung 1.007 Euro im Monat. Gleichzeitig lagen 8.098.282 Altersrenten beim Zahlbetrag sogar unter dieser Marke. Der Vergleich macht die Größenordnung deutlich, beweist für sich genommen aber noch keinen Anspruch auf Grundsicherung.
Zum individuellen Bedarf gehören neben dem Regelbedarf auch angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung. Auf der anderen Seite werden weitere Einkünfte, Vermögen sowie das Einkommen des Partners berücksichtigt. Eine kleine gesetzliche Rente kann deshalb mit einer Betriebsrente, einer Witwenrente oder anderen Einnahmen zusammentreffen. Umgekehrt kann schon eine Rente oberhalb von 1.007 Euro nicht reichen, wenn die Wohnkosten hoch sind.
Genau deshalb darf aus den acht Millionen Renten nicht auf acht Millionen bedürftige Rentner geschlossen werden. Gezählt werden Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, nicht das vollständige Einkommen der Haushalte. Warum auch die sogenannte Standardrente die tatsächliche Lage vieler Menschen nur unzureichend beschreibt, zeigt der Beitrag zur oft überschätzten Standardrente.
Kurze Versicherungsverläufe erklären nur einen Teil
Als Gründe für niedrige Altersrenten nennt die Regierungsantwort unter anderem kurze Beitragszeiten. Schon fünf Jahre können genügen, um überhaupt eine gesetzliche Altersrente zu erhalten. Frühere Erwerbsbiografien vieler Frauen im Westen oder ein Wechsel in die Beamtenversorgung, ein berufsständisches Versorgungswerk oder ein ausländisches Alterssicherungssystem drücken dann den einzelnen Betrag aus der gesetzlichen Rentenkasse.
Damit ist die Statistik sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Neben Menschen, die tatsächlich fast ausschließlich von einer kleinen gesetzlichen Rente leben, stehen Versicherte mit weiteren Alterseinkünften. Am brisanten Kern ändert das nichts: Bei mehr als einer Million Altersrenten reicht erst der Abzug von Kranken- und Pflegebeiträgen aus, um den Zahlbetrag unter 1.000 Euro zu drücken.
Rentner zahlen Kassenaufschlag erst ab Juli 2028
Aktuellere Zahlen sind noch nicht beantwortet
Wie viele Altersrenten nach den Rentenerhöhungen 2025 und 2026 heute unter 1.000 Euro liegen, lässt sich aus der Antwort nicht ablesen. Zwei neue Kleine Anfragen vom 13. Juli 2026 verlangen inzwischen aktualisierte Daten für 2025, unter anderem für Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie für Ost- und Westdeutschland. Antworten der Bundesregierung liegen dazu noch nicht vor.
Nominale Rentenerhöhungen dürften einen Teil der Zahlungen inzwischen über die feste 1.000-Euro-Grenze gehoben haben. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein entsprechender Kaufkraftgewinn. Preise, individuelle Zusatzbeiträge und der Pflegebeitrag entwickeln sich unabhängig von der Rentenanpassung. Die Zahl für Ende 2024 lässt sich daher weder unverändert fortschreiben noch mit einem pauschalen Prozentsatz zuverlässig aktualisieren.
Wer insgesamt nur wenig Geld zur Verfügung hat, sollte deshalb nicht allein auf eine starre Rentengrenze schauen. Als Faustregel rät die Rentenversicherung bei einem gesamten Einkommen unter 1.148 Euro, einen möglichen Anspruch prüfen zu lassen. Die Leistung beginnt grundsätzlich frühestens im Monat des Antrags. Voraussetzungen, Einkommensanrechnung und Freibeträge erklärt renten.net ausführlich bei der Grundsicherung im Alter. Im Vorfeld sollte aber geprüft werden, ob ein Anspruch auf Wohngeld besteht.