Ältere Frauen verfügen weiterhin über deutlich weniger eigenes Geld als Männer. Neue Zahlen für 2025 zeigen eine Lücke von durchschnittlich 581 Euro im Monat. Rechnet man Witwenrenten und andere Hinterbliebenenleistungen heraus, wächst der Abstand sogar auf rund 853 Euro.
21.865 Euro Alterseinkommen erhielten Frauen ab 65 Jahren 2025 durchschnittlich im Jahr. Bei Männern waren es 28.839 Euro. Umgerechnet stehen damit rund 1.822 Euro im Monat etwa 2.403 Euro gegenüber. Die Differenz beträgt 581 Euro oder 24,2 Prozent.
Veröffentlicht hat die Werte das Statistische Bundesamt in seiner aktualisierten Tabelle zum Gender Pension Gap. Gemeint ist nicht nur die gesetzliche Altersrente. In die Alterseinkünfte können auch Pensionen, betriebliche und private Renten sowie Hinterbliebenenleistungen einfließen. Verglichen werden Personen ab 65 Jahren, die entsprechende Einkünfte beziehen.
Ohne Witwenrente fehlen Frauen monatlich 853 Euro
Hinterbliebenenrenten verkleinern die statistische Lücke erheblich. Werden diese abgeleiteten Ansprüche nicht mitgerechnet, bleiben Frauen im Durchschnitt 18.233 Euro eigene Alterseinkünfte im Jahr. Männer kommen auf 28.473 Euro. Monatlich ergibt das rund 1.519 Euro gegenüber 2.373 Euro.
Damit fehlen Frauen aus eigenen Ansprüchen etwa 853 Euro pro Monat. Der Abstand steigt von 24,2 auf 36 Prozent. Anders gesagt: Mehr als ein Drittel des männlichen Alterseinkommens fehlt, wenn ausschließlich Leistungen betrachtet werden, die auf der eigenen Erwerbs- und Vorsorgebiografie beruhen.
Gerade dieser zweite Wert zeigt, wie stark viele Frauen noch immer von einer Witwenrente oder Witwenpension abhängig sind. Solche Zahlungen können den Einkommensverlust nach dem Tod des Partners abfedern. Eigenständige Rentenansprüche ersetzen sie aber nicht. Zudem wird eigenes Einkommen oberhalb des Freibetrags auf die Witwenrente angerechnet.
Zwischen Ost und West liegen Welten
Regional unterscheiden sich die Ergebnisse drastisch. In den neuen Bundesländern einschließlich Berlin beträgt der Gender Pension Gap unter Einbeziehung der Hinterbliebenenleistungen nur 1,8 Prozent. Frauen kamen dort 2025 auf 23.071 Euro, Männer auf 23.485 Euro. Ohne Hinterbliebeneneinkommen wächst die Lücke auf 13,2 Prozent.
Westdeutschland zeigt ein völlig anderes Bild. Einschließlich Witwenrenten und vergleichbarer Leistungen erhalten Frauen 29 Prozent weniger als Männer. Bei den eigenständig erworbenen Alterseinkünften erreicht der Abstand sogar 40,8 Prozent. Frauen kommen im Westen ohne Hinterbliebenenleistungen auf durchschnittlich 17.773 Euro im Jahr, Männer auf 30.011 Euro.
Längere und kontinuierlichere Erwerbsbiografien von Frauen in Ostdeutschland wirken bis heute nach. Im Westen führten Familienphasen, Teilzeit und die frühere Rollenverteilung häufiger zu deutlich niedrigeren eigenen Rentenansprüchen. Auch die bereits ausgewerteten Zugänge zur Rente nach 45 Versicherungsjahren zeigen einen großen Abstand: Frauen erhielten dort im Schnitt 377 Euro weniger als Männer.
581 Euro weniger bedeuten nicht automatisch Armut
Aus dem Gender Pension Gap lässt sich nicht ablesen, wie viel Geld einem Haushalt tatsächlich zur Verfügung steht. Destatis betrachtet einzelne Personen, nicht das gemeinsame Einkommen eines Ehepaars. Eine Frau mit niedriger eigener Rente kann in einem finanziell gut abgesicherten Haushalt leben. Umgekehrt kann eine alleinlebende Frau mit durchschnittlicher Rente durch hohe Wohn- und Pflegekosten stark belastet sein.
Für das persönliche Armutsrisiko zählt deshalb das verfügbare Haushaltseinkommen. Trotzdem ist die individuelle Einkommenslücke folgenreich. Nach Trennung oder Tod des Partners fehlt eigenes Geld, und Hinterbliebenenleistungen gleichen den vorherigen Lebensstandard meist nicht vollständig aus. Bei steigenden Pflege- und Wohnkosten wächst das Risiko, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.
Die aktuelle Armutsstatistik passt zu diesem Bild. Frauen ab 65 Jahren waren 2025 zu 21,3 Prozent armutsgefährdet, Männer derselben Altersgruppe zu 17,3 Prozent. Mehr dazu zeigt die Auswertung, warum fast jeder fünfte Senior unter der Armutsgefährdungsschwelle lebt.
Die Lücke schrumpft nur langsam
Gegenüber 2024 ist der Gender Pension Gap einschließlich Hinterbliebenenleistungen von 25,8 auf 24,2 Prozent gesunken. Ohne diese Zahlungen ging er von 36,9 auf 36 Prozent zurück. Eine Verbesserung ist damit erkennbar, doch selbst bei gleichbleibendem Tempo würde es viele Jahre dauern, bis der Abstand verschwindet.
Entscheidend bleiben die Jahre vor dem Rentenbeginn. Niedrige Löhne, lange Teilzeitphasen und fehlende Beiträge lassen sich kurz vor dem Ruhestand kaum noch ausgleichen. Kindererziehungszeiten und Rentenbeiträge für häusliche Pflege helfen, schließen die Lücke aber nicht automatisch. Wer längere Unterbrechungen im Versicherungsverlauf hat, sollte deshalb früh prüfen, ob alle Zeiten erfasst wurden und welche eigenen Vorsorgemöglichkeiten noch bleiben.