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Fast 60 Prozent der vollen EM-Renten bleiben unter 1.200 Euro

Fast 60 Prozent aller vollen Erwerbsminderungsrenten bleiben unter 1.200 Euro im Monat. Das sind knapp eine Million Renten. Zum Vergleich: Die amtliche Armutsgefährdungsschwelle für Alleinlebende liegt bei 1.445 Euro netto im Monat. Beide Werte messen nicht dasselbe, doch der Abstand zeigt, wie niedrig ein großer Teil der EM-Renten weiterhin ausfällt.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Verteilung zwar deutlich verbessert. Niedrige Zahlbeträge werden seltener, höhere häufiger. Von einer Randgruppe kann bei Renten unter 1.200 Euro trotzdem keine Rede sein.

986.226 Renten bleiben unter der Marke

Die Deutsche Rentenversicherung weist zum Jahresende 1.664.133 volle Erwerbsminderungsrenten aus. Davon lagen 986.226 unter einem monatlichen Zahlbetrag von 1.200 Euro. Das entspricht 59,3 Prozent.

Volle EM-RentenEnde 2024Ende 2025
Bestand insgesamt1.669.2761.664.133
unter 1.200 €1.107.803986.226
Anteil unter 1.200 €66,4 %59,3 %
1.500 € und höher216.307291.995

Ein Jahr zuvor waren noch 1.107.803 volle EM-Renten unter dieser Marke. Die Zahl sank damit um 121.577. Gleichzeitig wuchs die Gruppe mit mindestens 1.500 Euro Zahlbetrag um 75.688 auf 291.995 Renten. Da sich der Gesamtbestand kaum veränderte, fand innerhalb nur eines Jahres eine deutliche Verschiebung nach oben statt.

Das ändert jedoch nichts am unteren Ende der Statistik. Gut jede fünfte volle EM-Rente lag Ende 2025 sogar unter 750 Euro. Und 82,5 Prozent erreichten weniger als 1.500 Euro.

1.445 Euro markieren eine andere Grenze

Für die Einordnung liefert das Statistische Bundesamt einen auffälligen Vergleichswert. Nach den Endergebnissen von EU-SILC 2025 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinlebenden bei 1.445 Euro netto im Monat. Sie lag damit 245 Euro über einem Rentenzahlbetrag von 1.200 Euro.

Daraus folgt allerdings nicht, dass 59,3 Prozent der Bezieher einer vollen EM-Rente armutsgefährdet sind. Die Armutsgefährdung richtet sich nach dem verfügbaren Einkommen des gesamten Haushalts und wird als Nettoäquivalenzeinkommen berechnet. Partnereinkommen und andere Einkünfte fließen ein. Der Zahlbetrag der gesetzlichen Rente allein reicht für diese Einstufung nicht aus.

Genau deshalb ist der Vergleich trotzdem aufschlussreich: Die Rentenstatistik zeigt die Höhe der gesetzlichen Absicherung, die Armutsgefährdungsschwelle eine Einkommensgröße für den Haushalt. Wer ausschließlich von einer niedrigen EM-Rente lebt, hat keine weiteren Einkünfte, die diesen Abstand auffangen. Ob zusätzlich Grundsicherung bei Erwerbsminderung beansprucht werden kann, hängt wiederum von Einkommen, Vermögen und Bedarf ab.

Warum die Verteilung 2025 nach oben rutschte

Der starke Rückgang unterhalb von 1.200 Euro darf nicht allein als Verbesserung der Erwerbsbiografien gelesen werden. Zum 1. Juli 2025 stiegen die gesetzlichen Renten um 3,74 Prozent. Hinzu kam bei älteren Erwerbsminderungsrenten der Zuschlag von 7,5 beziehungsweise 4,5 Prozent auf die persönlichen Entgeltpunkte.

Ende 2024 wurde dieser Zuschlag noch getrennt von der laufenden Rente ausgezahlt. Seit Dezember 2025 ist er Bestandteil der Rentenzahlung. Dadurch rutschten Renten auch statistisch in höhere Zahlbetragsklassen. Die 2024er und 2025er Verteilung ist deshalb nicht vollständig vergleichbar, obwohl die Verschiebung real ist.

Seit Juli 2026 sind die laufenden Renten nochmals um 4,24 Prozent gestiegen. Die Bestandszahlen von Ende 2025 entsprechen daher nicht den heutigen Kontobeträgen. Als jüngste vollständige Verteilung zeigen sie aber einen Befund, der trotz aller Verbesserungen bleibt: Fast 60 Prozent der vollen EM-Renten lagen unter 1.200 Euro.