Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Pflegeleistungsbezieher in Deutschland um 405.609 gestiegen. Ende 2025 waren es 6,43 Millionen Menschen. Fast der gesamte Zuwachs entfiel auf die ambulante Versorgung, während die Zahl der stationär Versorgten sogar leicht sank. Damit wächst der Druck vor allem außerhalb der Pflegeheime.
Die neuen Werte stammen aus der im Juli 2026 aktualisierten Statistik „Zahlen, Daten und Fakten zur Pflegeversicherung“ des Bundesgesundheitsministeriums. Erfasst sind die soziale Pflegeversicherung und die private Pflege-Pflichtversicherung.
Für 2024 weist das Ministerium insgesamt 6.020.949 Leistungsbezieher aus. Ein Jahr später waren es 6.426.558. Das entspricht einem Plus von 6,7 Prozent. Gleichzeitig blieb die Zahl der Versicherten mit 83,7 Millionen nahezu unverändert. Pflegeleistungen beziehen damit nicht nur absolut mehr Menschen; ihr Anteil an allen Versicherten stieg binnen eines Jahres von 7,2 auf 7,7 Prozent.
Der gesamte Zuwachs landet im ambulanten Bereich
Besonders auffällig ist die Verteilung. Ambulant versorgt wurden Ende 2025 insgesamt 5.515.422 Menschen. Gegenüber dem Vorjahr kamen 407.416 hinzu. In vollstationärer Pflege sank die Zahl dagegen um 1.088 auf 770.794. Einrichtungen der Eingliederungshilfe verzeichneten ebenfalls einen leichten Rückgang.
Rechnerisch übertraf der ambulante Anstieg damit sogar den gesamten Nettozuwachs, weil die beiden anderen Bereiche kleiner wurden. Von 100 Leistungsbeziehern wurden 86 ambulant und nur 14 stationär versorgt. Im Jahr 2005 hatte das Verhältnis in der sozialen Pflegeversicherung noch bei 67 zu 33 gelegen.
Ambulant bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Angehörige die Pflege vollständig allein übernehmen. Zur Gruppe gehören sowohl Pflegegeldbezieher als auch Menschen, die einen Pflegedienst oder eine Kombinationsleistung nutzen. Aus der neuen Übersicht lässt sich deshalb keine exakte Zahl pflegender Angehöriger ableiten. Klar ist dennoch: Pflege findet immer seltener im Heim und immer häufiger im häuslichen Umfeld statt.
Pflegegrad 2 wächst am stärksten
In der sozialen Pflegeversicherung entfiel der größte absolute Zuwachs auf Pflegegrad 2. Dort stieg die Zahl über alle Versorgungsformen hinweg von 2.242.671 auf 2.407.979, also um 165.308 Menschen. Pflegegrad 3 legte um 106.523 zu. Bei Pflegegrad 1 kamen 88.541 Leistungsbezieher hinzu.
Damit hatten Ende 2025 bereits 952.213 gesetzlich Versicherte Pflegegrad 1. Rechnet man die private Pflichtversicherung hinzu, waren es 986.759 Menschen und damit fast eine Million. Gerade diese Gruppe steht bei der geplanten Pflegereform unter Druck. Der Referentenentwurf sieht vor, bisherige Ansprüche neu zu ordnen. Warum dabei monatlich bis zu 173 Euro gefährdet sind, erklärt der Beitrag zur geplanten Kürzung bei Pflegegrad 1.
Pflegegrad 2 ist mit 40,1 Prozent inzwischen die größte Gruppe innerhalb der sozialen Pflegeversicherung. Anspruch auf Pflegegeld besteht ab diesem Pflegegrad, sofern die häusliche Pflege selbst sichergestellt wird. 2026 reichen die Monatsbeträge von 347 Euro bei Pflegegrad 2 bis 990 Euro bei Pflegegrad 5. Das Geld ist keine Vergütung nach Arbeitsstunden, sondern eine Leistung an den Pflegebedürftigen.
Die Ausgaben wachsen schneller als die Zahl der Betroffenen
Steigende Fallzahlen treffen auf eine bereits angespannte Finanzierung. Die Leistungsausgaben der sozialen Pflegeversicherung erhöhten sich 2025 von 63,3 auf 70,4 Milliarden Euro. Das Plus von 7,1 Milliarden Euro entspricht rund 11,2 Prozent und liegt damit deutlich über dem prozentualen Anstieg der Leistungsbezieher.
Insgesamt nahm die soziale Pflegeversicherung 73,33 Milliarden Euro ein und gab einschließlich Verwaltungskosten 73,82 Milliarden Euro aus. Unter dem Strich blieb ein Minus von rund 490 Millionen Euro. In den liquiden Mitteln steckte zugleich ein Bundesdarlehen von einer Milliarde Euro, das später zurückgezahlt werden muss.
Diese Zahlen erklären den politischen Spardruck, rechtfertigen aber nicht automatisch jede Kürzung. Von 2005 bis 2025 stieg die Zahl der ambulant versorgten gesetzlich Versicherten von 1,31 auf 5,16 Millionen. Stationär versorgt wurden damals rund 642.000 Menschen, 2025 etwa 711.000. Den weit größeren Teil der zusätzlichen Versorgung tragen somit häusliche Arrangements, ambulante Dienste und Familien.
Mehr häusliche Pflege bedeutet nicht automatisch mehr Absicherung
Pflegende Angehörige können Rentenbeiträge erhalten, wenn unter anderem mindestens Pflegegrad 2 vorliegt, die Pflege wenigstens zehn Stunden pro Woche an mindestens zwei Tagen erfolgt und die eigene Erwerbstätigkeit regelmäßig 30 Wochenstunden nicht überschreitet. Für 2026 nennt das Ministerium je nach Pflegegrad und Leistungsart monatliche Beiträge von bis zu 735,63 Euro an die Rentenversicherung.
Solche Beiträge werden nicht als Geld an die Pflegeperson ausgezahlt, sondern erhöhen deren späteres Rentenkonto. Geplante Einschnitte bei dieser Absicherung würden deshalb ausgerechnet eine Gruppe treffen, auf die das System immer stärker angewiesen ist. Welche Kürzung im Reformentwurf vorgesehen ist, zeigt der Artikel zu den Rentenpunkten pflegender Angehöriger.
Für Familien ist die neue Statistik mehr als eine abstrakte Millionenzahl. Sie zeigt, dass der steigende Pflegebedarf kaum durch zusätzliche stationäre Versorgung aufgefangen wird. Wer zu Hause pflegt, sollte deshalb prüfen, ob Pflegegrad, Pflegegeld, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege und Rentenbeiträge vollständig genutzt werden. Gerade bei schnell wachsenden Fallzahlen kann ein nicht gestellter Antrag die private Belastung unnötig vergrößern.