Viele Versicherte wissen nicht genau, womit sie im Alter rechnen können. Die gesetzliche Rente ist oft nur ein Teil der Altersvorsorge. Dazu kommen Betriebsrenten, private Verträge, Riester, Rürup, Versorgungswerke oder künftig auch eine gesetzliche Kapitalrente.
Genau hier setzt die Digitale Rentenübersicht an. Sie soll Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge an einem Ort sichtbar machen. Die Alterssicherungskommission hält das für richtig, will das Portal aber deutlich weiterentwickeln.
Die Weiterentwicklung ist eine von 33 Empfehlungen, die die Kommission in ihrem Abschlussbericht vom 23. Juni 2026 vorgelegt hat. Beschlossen ist davon noch nichts. Ein Gesetzentwurf wird erst nach der Sommerpause erwartet, ein Inkrafttreten frühestens Anfang 2027.
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Der Vorschlag klingt weniger spektakulär als Rente mit 70, Kapitalrente oder Minijob-Reform. Für Versicherte kann er aber sehr praktisch werden. Wer seine Rentenlücke nicht kennt, kann auch nicht sinnvoll gegensteuern.
Heute gibt es nur einen Überblick
Die Digitale Rentenübersicht sammelt verfügbare Informationen aus verschiedenen Altersvorsorge-Systemen. Nutzer können sehen, welche Ansprüche bereits bestehen und welche Anbieter Daten liefern. Dadurch entsteht ein besserer Überblick als mit einzelnen Briefen, Standmitteilungen und Renteninformationen.
Das Problem: Ein Überblick ist noch keine echte Planung. Viele Menschen sehen zwar Beträge, können diese aber schwer einordnen. Reicht das später? Was bedeutet der Betrag nach Steuern und Krankenversicherung? Welche Verträge fehlen? Welche Leistung gibt es lebenslang, welche nur als Kapitalzahlung?
Genau deshalb will die Kommission die Digitale Rentenübersicht zu einem Informations- und Planungstool ausbauen.
Zugang soll einfacher werden
Ein wichtiger Punkt sind die Zugangshürden. Wer seine Altersvorsorge digital abrufen will, muss sich sicher identifizieren. Das ist notwendig, schreckt aber viele ab. Gerade ältere Nutzer oder Menschen ohne Routine mit Online-Ausweisen brechen an dieser Stelle schnell ab.
Die Kommission schlägt deshalb vor, einfachere Zugänge zu prüfen. Als Beispiel nennt sie einen möglichen Zugang über ELSTER. Das wäre naheliegend, weil viele Bürger ELSTER bereits für ihre Steuererklärung nutzen. Einen Überblick über diese und die weiteren Empfehlungen bietet die Zusammenstellung des Bundesarbeitsministeriums zur Rentenkommission 2026.
Außerdem soll in der Renteninformation deutlicher auf die Digitale Rentenübersicht hingewiesen werden. Wer ohnehin jedes Jahr Post oder Informationen zur gesetzlichen Rente bekommt, soll dort direkt erfahren, dass es eine zentrale Übersicht über weitere Vorsorgeansprüche gibt.
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Mehr Systeme sollen eingebunden werden
Die Digitale Rentenübersicht ist nur so gut wie die Daten, die dort ankommen. Wenn wichtige Vorsorgeformen fehlen, entsteht ein unvollständiges Bild. Genau das will die Kommission ändern.
Einbezogen werden sollen künftig stärker auch berufsständische Versorgung, Beamtenversorgung und neue Vorsorgeformen. Dazu gehört ausdrücklich auch die geplante gesetzliche Kapitalrente. Wer später mehrere Bausteine hat, soll nicht wieder an verschiedenen Stellen suchen müssen.
| Bereich | Heute wichtig | Künftig zusätzlich im Blick |
|---|---|---|
| gesetzliche Rente | Renteninformation | Kapitalrente |
| betriebliche Vorsorge | Betriebsrenten | bessere Anbieteranbindung |
| private Vorsorge | Riester, Rürup, private Verträge | neue Vorsorgeformen |
| Sonderversorgung | teilweise sichtbar | Versorgungswerke, Beamtenversorgung |
Der Abschlussbericht der Alterssicherungskommission nennt dafür auch einen möglichen Hebel: Wer eine jährliche Standmitteilung verschicken muss, könnte damit zugleich zur Anbindung an die Digitale Rentenübersicht verpflichtet werden. Das würde den Druck auf Anbieter erhöhen.
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Aus Zahlen soll Planung werden
Besonders wichtig ist die Darstellung. Heute sehen Nutzer vor allem Ansprüche und Prognosen aus einzelnen Vorsorgeformen. Für eine echte Planung reicht das oft nicht.
Die Kommission will, dass die Übersicht stärker zeigt, wie sich Ansprüche in die Zukunft entwickeln können. Auch Zahlungsströme über die Zeit sollen besser dargestellt werden. Damit würde klarer, ob eine Leistung lebenslang gezahlt wird, wann sie beginnt und wie stark sie später tatsächlich helfen kann.
Das ist ein großer Unterschied. Eine Kapitalzahlung von 40.000 Euro sieht zunächst hoch aus. Auf 20 Jahre verteilt wären es aber nur rund 167 Euro im Monat, ohne Zinsen, Steuern und Inflation. Eine monatliche Betriebsrente von 180 Euro wirkt kleiner, kann aber lebenslang gezahlt werden. Solche Unterschiede müssen Nutzer verstehen können.
| Vorsorgeform | Betrag in der Übersicht | Was zusätzlich wichtig ist |
|---|---|---|
| gesetzliche Rente | 1.450 € monatlich | Rentenbeginn, Abschläge, Anpassung |
| Betriebsrente | 180 € monatlich | Nettoeffekt, Krankenversicherung |
| private Vorsorge | 40.000 € Kapital | Laufzeit, Auszahlungsplan |
| Kapitalrente | noch offen | Ansparzeit, Rendite, Kosten |
Genau solche Zusammenhänge machen aber klar, warum eine reine Sammlung von Beträgen nicht reicht.
Auch Risiken sollen sichtbarer werden
Die Kommission will außerdem Hinweise auf abgedeckte Lebensrisiken ergänzen. Das ist wichtig, weil Altersvorsorge nicht nur aus Altersrente besteht.
Die gesetzliche Rentenversicherung kann auch Erwerbsminderung und Hinterbliebene absichern. Private Verträge decken solche Risiken nicht automatisch ab. Betriebsrenten unterscheiden sich ebenfalls stark. Wer nur auf die spätere Alterszahlung schaut, übersieht möglicherweise, dass bei Krankheit oder Tod keine ausreichende Absicherung besteht.
Eine bessere Digitale Rentenübersicht könnte deshalb nicht nur zeigen, wie viel im Alter zu erwarten ist. Sie könnte auch sichtbar machen, wo Schutz fehlt.
Daten sollen auch der Politik helfen
Der Bericht enthält noch einen zweiten Punkt. Daten aus der Digitalen Rentenübersicht sollen künftig auch für statistische Auswertungen genutzt werden können. Heute erhält nur der einzelne Nutzer seine Übersicht. Für statistische Zwecke werden die Daten bislang nicht ausgewertet.
Die Kommission will prüfen, ob künftig ein regelmäßiger anonymisierter statistischer Datenabzug möglich ist. Damit könnte besser erkannt werden, wie gut verschiedene Gruppen tatsächlich für das Alter abgesichert sind.
Das wäre sozialpolitisch relevant. Heute wird oft über Rentenlücken gesprochen, aber die Datenlage über alle drei Säulen der Altersvorsorge ist lückenhaft. Eine bessere Datengrundlage könnte zeigen, welche Gruppen besonders gefährdet sind: Teilzeitbeschäftigte, Alleinerziehende, Menschen mit Erwerbsminderung, Langzeitarbeitslose oder Selbstständige.
Was Versicherte davon hätten
Für Versicherte wäre der wichtigste Vorteil mehr Klarheit. Wer früh sieht, dass die spätere Rente nicht reicht, kann gegensteuern. Wer mehrere Vorsorgeansprüche hat, kann besser vergleichen. Wer Lücken erkennt, kann gezielter beraten lassen.
Das Portal ersetzt aber keine Rentenberatung und keine Finanzberatung. Es kann falsche Erwartungen sogar verstärken, wenn Beträge ohne Einordnung nebeneinanderstehen. Deshalb ist die Weiterentwicklung zur Planungshilfe entscheidend.
Die Digitale Rentenübersicht soll nicht nur zeigen, was irgendwo gespeichert ist. Sie soll verständlich machen, was diese Ansprüche im Ruhestand bedeuten. Ob aus dem digitalen Sammelportal ein echtes Werkzeug für die Altersvorsorge wird, hängt genau daran.