Eigentlich sollte der Rentenbeitrag auch 2027 noch bei 18,6 Prozent bleiben. Genau diese Planung ist jetzt unsicher geworden und die Deutsche Rentenversicherung warnt, dass weitere Kürzungen des Bundeszuschusses den Beitragssatz schon im kommenden Jahr nach oben treiben könnten.
Eine Milliarde Euro weniger ist im Haushaltsentwurf bereits eingeplant. Nach Berechnungen der Rentenversicherung entspricht dieser Fehlbetrag in heutigen Werten rund 0,05 Beitragssatzpunkten. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Belastung die ohnehin schrumpfende Rücklage noch auffangen kann – und ob im parlamentarischen Verfahren weitere Kürzungen hinzukommen.
Damit bekommt der Streit um den Bundeszuschuss eine neue Dimension. Bislang ging es vor allem darum, wie stark der Bund seine Zahlungen an die Rentenversicherung zurückfahren will. Nun steht erstmals wieder konkret die Frage im Raum, ob Beschäftigte und Arbeitgeber die Folgen schon 2027 über höhere Beiträge spüren könnten.
Der Deutschen Rentenversicherung Bund geht es dabei nicht nur um die bereits bezifferte Milliarde. Zusätzlich soll die Rentenversicherung den Bundeshaushalt um weitere zwei Milliarden Euro entlasten. Wie das geschehen soll, ist bislang offen. renten.net hatte über diese Drei-Milliarden-Rechnung für die Rente bereits berichtet.
Der Puffer wird immer kleiner
Gerade deshalb fällt die neue Warnung in eine heikle Phase. Nach der bisherigen Finanzplanung sollte der Beitragssatz 2027 noch einmal bei 18,6 Prozent bleiben. Für 2028 wurde dagegen bereits ein Sprung auf 19,9 Prozent erwartet, weil die Nachhaltigkeitsrücklage bis dahin weitgehend auf die gesetzliche Mindestrücklage abschmilzt.
Viel Spielraum ist also nicht mehr vorhanden.
Wie schnell zusätzliche Kürzungen auf den Beitragssatz durchschlagen können, hatte die Rentenversicherung schon im Juni vorgerechnet. Damals stand zeitweise ein deutlich größerer Eingriff im Raum. Bei vier Milliarden Euro weniger Bundesmitteln wäre nach der damaligen Rechnung bereits 2027 ein Anstieg um 0,2 Punkte auf 18,8 Prozent nötig gewesen.
Nachdem die unmittelbar bezifferte Kürzung später auf eine Milliarde Euro reduziert wurde, schien dieser frühe Beitragssprung zunächst vom Tisch. Mit der neuen Stellungnahme ist diese Sicherheit wieder verschwunden: Bleibt es nicht bei der einen Milliarde, kann auch 2027 wieder zum Beitragsjahr werden.
Die Rentenversicherung verbindet ihre Warnung zugleich mit grundsätzlicher Kritik an der Finanzierung. Bundesmittel für gesamtgesellschaftliche Aufgaben dürften aus ihrer Sicht nicht davon abhängen, wie groß der Sparbedarf des Bundes gerade ist. Werden diese Mittel gekürzt, verschiebt sich die Finanzierung stärker auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Auch Rentner-Minijobs werden 2027 teurer – Arbeitgeber zahlen voraussichtlich 17,5 Prozent
Was ein höherer Beitrag für Beschäftigte bedeuten würde
Ein höherer Rentenbeitrag würde unmittelbar auf der Lohnabrechnung ankommen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen den Beitrag grundsätzlich jeweils zur Hälfte. Wie stark der Satz 2027 tatsächlich steigen müsste, falls weitere Kürzungen beschlossen werden, lässt sich derzeit nicht beziffern.
An den laufenden Renten würde eine Kürzung des Bundeszuschusses dagegen nicht automatisch etwas ändern. Rentenhöhe und Beitragssatz folgen unterschiedlichen gesetzlichen Mechanismen. Der aktuelle Konflikt dreht sich deshalb zunächst um die Finanzierung – und darum, wie schnell die Beitragszahler stärker herangezogen werden müssen.
Damit hängt an den weiteren Haushaltsberatungen mehr als die Frage, ob der Bund eine weitere Milliarde einspart. Bleibt es bei der bisher vorgesehenen Kürzung, könnte 18,6 Prozent auch 2027 noch halten. Kommen zusätzliche Einschnitte hinzu, ist genau das nach der Warnung der Rentenversicherung nicht mehr sicher.