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Psychische Diagnosen treiben den Anstieg neuer EM-Renten

Eine Frau bearbeitet bei einer kognitiven Leistungsprüfung in einer Reha-Einrichtung ein Steckbrett.
Psychische Diagnosen waren 2025 die häufigste Hauptdiagnose bei neuen EM-Renten. Für den Anspruch zählt dennoch das verbliebene Leistungsvermögen.

72.301 neue Erwerbsminderungsrenten wurden 2025 der Diagnosegruppe „Psychosomatik und Psychotherapie“ zugeordnet. Das waren 3.007 Fälle mehr als 2024. Insgesamt stieg die Zahl der neuen EM-Renten mit Zahlbetrag um 4.246. Psychische Diagnosen erklären damit rund 71 Prozent des gesamten Zuwachses.

Fast jede zweite EM-Rente bei Frauen

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist erheblich. Bei Frauen entfielen 46.402 von 95.442 neuen EM-Renten auf Psychosomatik und Psychotherapie. Das entspricht 48,62 Prozent. Bei Männern waren es 25.899 von 80.536 Renten und damit 32,16 Prozent.

Rentenzugang 2025Neue EM-RentenPsychosomatik und PsychotherapieAnteilVeränderung zu 2024
Männer80.53625.89932,16 %+1.260
Frauen95.44246.40248,62 %+1.747
Insgesamt175.97872.30141,09 %+3.007

Die Angaben stammen aus dem im Juli 2026 veröffentlichten Statistikband Rente 2025 der Deutschen Rentenversicherung. Erfasst werden Renten wegen voller und teilweiser Erwerbsminderung nach dem SGB VI. Sogenannte Nullrenten ohne Auszahlung enthält die Tabelle nicht.

Im Statistikband für das Vorjahr hatte die Diagnosegruppe 69.294 von 171.732 neuen EM-Renten ausgemacht. Ihre Fallzahl erhöhte sich damit um 4,34 Prozent, während der gesamte Rentenzugang nur um 2,47 Prozent zunahm. Von 100 zusätzlichen Renten gegenüber 2024 entfielen rechnerisch knapp 71 auf Psychosomatik und Psychotherapie.

Der Diagnosename entscheidet nicht

Die Statistik nennt jeweils die vom Rentenversicherungsträger festgelegte Hauptdiagnose. Bei mehreren Erkrankungen entscheidet die sozialmedizinische Beurteilung, welche Diagnose als wesentlich gilt. Aus den Fallzahlen lässt sich deshalb weder die Zahl aller psychisch erkrankten Antragsteller noch die Bewilligungsquote für einzelne Krankheiten ableiten.

Auch die Ursache des Anstiegs bleibt offen. Die Tabelle zeigt nicht, ob mehr Menschen erkrankt sind, Einschränkungen häufiger rentenrechtlich anerkannt wurden oder sich die Zusammensetzung der Antragsteller verändert hat. Eine Entwicklung bei bewilligten Renten darf daher nicht mit der Verbreitung psychischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung gleichgesetzt werden.

Eine Depression, Angststörung oder andere psychische Erkrankung führt nicht automatisch zur Rente. Bei den Krankheiten für eine Erwerbsminderungsrente zählt die konkrete Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Volle Erwerbsminderung setzt grundsätzlich ein Leistungsvermögen von weniger als drei Stunden täglich voraus. Drei bis unter sechs Stunden können eine teilweise EM-Rente begründen.

Entsprechend wichtig sind belastbare Befunde zum Verlauf, zu Therapien und zu funktionellen Einschränkungen. Im Verfahren beurteilt der Gutachter der Rentenversicherung nicht nur den Diagnoseschlüssel, sondern auch Konzentration, Belastbarkeit, Anpassungsfähigkeit und die mögliche tägliche Arbeitszeit.

Bei Jüngeren liegt der Anteil über 60 Prozent

Besonders hoch fällt der Anteil in jüngeren Altersgruppen aus. Unter den 25- bis 29-Jährigen standen 1.473 von 2.284 neuen EM-Renten in der Gruppe Psychosomatik und Psychotherapie. Das sind 64,49 Prozent. Bei den 30- bis 34-Jährigen waren es 2.428 von 4.039 Fällen und damit 60,11 Prozent.

Die absoluten Fallzahlen bleiben dennoch bei älteren Versicherten deutlich größer. Allein in der Altersgruppe von 55 bis 59 Jahren entfielen 20.986 neue Renten auf psychische Diagnosen. Bei Frauen lag deren durchschnittliches Zugangsalter bei 52,70 Jahren, bei Männern bei 52,29 Jahren.

Onkologie folgt mit deutlichem Abstand

Zweitgrößte Diagnosegruppe war Hämatologie und Onkologie mit 24.443 neuen EM-Renten. Neurologische Erkrankungen folgten mit 23.677 Fällen, orthopädische Diagnosen mit 16.220. Psychosomatik und Psychotherapie lagen damit fast dreimal so hoch wie jede dieser einzelnen Gruppen.

Gegenüber 2024 stieg der Anteil psychischer Diagnosen von 40,35 auf 41,09 Prozent. Der Zuwachs betrifft also nicht nur mehr EM-Renten insgesamt. Die Gewichte zwischen den Diagnosegruppen haben sich weiter in Richtung psychischer Erkrankungen verschoben.