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Reha erhöht Jobchance um bis zu 20 Prozentpunkte

Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung wirkt sich deutlich auf die Rückkehr in Arbeit aus. Der am 27. August veröffentlichte Jahresbericht 2025 hebt eine Analyse hervor, nach der Reha die Beschäftigungschance um 15 bis 20 Prozentpunkte erhöht. Auch wirtschaftlich fällt der Effekt groß aus: Ein eingesetzter Euro erzeugt in den ersten zwei Jahren je nach Berechnungsmodell einen gesellschaftlichen Nutzen von 4,60 bis 5,28 Euro. Für Menschen mit vorherigem Krankengeldbezug ist der geschätzte Beschäftigungseffekt sogar etwa doppelt so stark.

Jahresbericht rückt Reha-Wirkung in den Vordergrund

Die Deutsche Rentenversicherung hat ihren Jahresbericht 2025 am 27. August veröffentlicht. Neben Rentenfinanzen und Digitalisierung setzt die DRV darin einen Schwerpunkt auf Prävention und Rehabilitation. Die zentrale Aussage lautet: Reha soll nicht nur gesundheitlich helfen, sondern messbar dazu beitragen, Beschäftigung zu erhalten oder wieder aufzunehmen.

Die zugrunde liegende Wirksamkeitsanalyse ist allerdings nicht erst heute entstanden. Sie wurde bereits im Oktober 2025 veröffentlicht. Neu ist, dass die Rentenversicherung die Ergebnisse nun prominent in ihren Jahresbericht aufnimmt. Das ist für die Einordnung wichtig, weil die heute veröffentlichten Zahlen keine neue klinische Studie darstellen, sondern Ergebnisse einer statistischen Auswertung von Routinedaten der Rentenversicherung zusammenfassen.

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15 bis 20 Prozentpunkte mehr Beschäftigungswahrscheinlichkeit

Für die Untersuchung wurden zwei statistische Ansätze verwendet. Einer davon bildet mit Beobachtungsdaten möglichst genau den Ablauf einer kontrollierten Studie nach, der andere vergleicht individuelle Beschäftigungsverläufe vor und nach der Reha. Beide Modelle kommen langfristig zu ähnlichen Ergebnissen.

In den zwei Jahren nach einer medizinischen Rehabilitation liegt die geschätzte Beschäftigungswahrscheinlichkeit demnach um 15 bis 20 Prozentpunkte höher als ohne den Reha-Effekt. Das ist ein Unterschied, der nicht mit 15 bis 20 Prozent verwechselt werden darf. Steigt eine Beschäftigungsquote beispielsweise von 50 auf 70 Prozent, sind das 20 Prozentpunkte.

Besonders deutlich fällt der Effekt bei Versicherten aus, die im Jahr vor der Reha Krankengeld bezogen hatten. Rund ein halbes Jahr nach der Rehabilitation lag die geschätzte Beschäftigungswahrscheinlichkeit in dieser Gruppe mehr als 20 Prozentpunkte über dem Vergleichswert. Bei Personen ohne vorherigen Krankengeldbezug waren es etwa zehn Prozentpunkte.

Ein Euro Reha bringt bis zu 5,28 Euro Nutzen

Die DRV hat die Beschäftigungseffekte anschließend wirtschaftlich bewertet. Grundlage waren 618.700 reguläre medizinische Reha-Fälle aus dem Jahr 2017. Anschlussrehabilitationen nach Krankenhausbehandlungen wurden bewusst nicht einbezogen. Den damaligen Aufwendungen von rund 4,1 Milliarden Euro wurden zusätzliche Wertschöpfung und vermiedene Transferzahlungen gegenübergestellt.

Im ersten Jahr nach der Reha ergibt sich je nach statistischem Modell für einen eingesetzten Euro ein volkswirtschaftlicher Nutzen von 2,22 oder 2,95 Euro. Über zwei Jahre steigt dieser Wert auf 4,60 beziehungsweise 5,28 Euro. Die im Jahresbericht verwendete Aussage, Reha zahle sich nach zwei Jahren fünffach aus, ist damit keine Rechnung über Geld, das unmittelbar an die Rentenversicherung zurückfließt. Gemeint ist ein gesamtwirtschaftlicher Effekt aus mehr Erwerbstätigkeit, zusätzlicher Wertschöpfung und geringeren Transferleistungen.

Reha entscheidet oft vor der EM-Rente

Die Ergebnisse sind auch für die Erwerbsminderungsrente relevant. Im Rentenrecht gilt der Grundsatz Reha vor Rente. Wenn die Erwerbsfähigkeit durch medizinische oder berufliche Rehabilitation erhalten oder verbessert werden kann, wird diese Möglichkeit vor einer EM-Rente geprüft. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Antragsteller zwingend zuerst eine Reha absolvieren muss.

Aus den Zahlen folgt weder, dass eine erfolgreiche Reha eine spätere EM-Rente automatisch ausschließt, noch dass eine erfolglose Reha den Rentenanspruch garantiert. Entscheidend bleibt, wie viele Stunden ein Versicherter unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts noch arbeiten kann und ob die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Für Krankengeldbezieher wird der zeitliche Druck zusätzlich größer. Ab 2027 können Krankenkassen für einen verlangten Reha-Antrag nur noch vier Wochen statt bisher zehn Wochen setzen. renten.net hat bereits erklärt, warum nach 28 Tagen sogar der Krankengeldanspruch wegfallen kann, wenn der Antrag nicht rechtzeitig gestellt wird.

Auch Prävention legt deutlich zu

Der neue Jahresbericht zeigt parallel eine steigende Nachfrage nach dem Präventionsprogramm RV Fit. Die Zahl der Anträge stieg von 64.500 im Jahr 2024 auf 78.700 im Jahr 2025 – ein Plus von 22 Prozent. Rund 69.600 Präventionsleistungen wurden bewilligt, mehr als 90 Prozent der Anträge gingen online ein.

Diese Zahlen dürfen nicht mit der medizinischen Rehabilitation vermischt werden. RV Fit setzt früher an und richtet sich an Beschäftigte mit ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Wirksamkeitsanalyse mit den 15 bis 20 Prozentpunkten bezieht sich dagegen auf Reha-Prozesse rund um reguläre medizinische Rehabilitation.

Die starken Zahlen sind kein individuelles Versprechen

Die Größenordnung ist dennoch bemerkenswert. Die Analyse stützt sich auf bundesweit repräsentative Routinedaten und zwei unterschiedliche statistische Modelle. Sie ist aber keine randomisierte Studie. Auch die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Analysen nötig sind und sich der Nutzen nicht gleichmäßig auf alle Reha-Gruppen verteilt.

Für den einzelnen Versicherten lässt sich deshalb aus den 15 bis 20 Prozentpunkten keine persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit ableiten. Für die Rentenversicherung liefern die Ergebnisse aber ein starkes Argument, Reha nicht nur als Kostenblock zu betrachten. Wenn mehr Menschen nach gesundheitlichen Einschränkungen im Erwerbsleben bleiben, sinkt zugleich der Druck auf Krankengeld, Arbeitslosigkeit und Erwerbsminderungsrente.