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Neue EM-Rente bringt im Schnitt nur 1.041 Euro

EM-Rentnerin mit Rentenbescheid zählt ihr Geld

Eine schwere Erkrankung beendet das Arbeitsleben oft viele Jahre vor der Altersrente. Finanziell bleibt dann wenig Luft: Wer nach den neusten Daten, die für 2024 erschienen sind, neu eine Erwerbsminderungsrente erhielt, kam im Durchschnitt auf einen monatlichen Zahlbetrag von lediglich 1.041 Euro.

Hinter diesem Mittelwert stehen 171.732 neue Renten. Damit traf die Erwerbsminderung innerhalb eines Jahres eine Bevölkerung in der Größenordnung einer mittleren Großstadt. Besonders brisant ist, dass auch die volle Erwerbsminderungsrente den Durchschnitt kaum über die Marke von 1.100 Euro hob.

Volle EM-Rente bleibt niedrig

Aus dem Rentenversicherungsbericht 2025 der Bundesregierung geht hervor, dass 151.289 der neuen Fälle eine volle Erwerbsminderungsrente betrafen. Das waren rund 88 Prozent aller Zugänge. Ihr durchschnittlicher Zahlbetrag lag bei 1.099 Euro im Monat.

Die übrigen Fälle entfielen im Wesentlichen auf teilweise Erwerbsminderungsrenten. Diese fallen niedriger aus, weil der Versicherte nach der gesetzlichen Wertung noch zwischen drei und unter sechs Stunden täglich arbeiten kann. Trotzdem lässt sich der Gesamtwert von 1.041 Euro nicht einfach mit dem Hinweis auf Teilrenten kleinreden: Fast neun von zehn neuen Fällen waren volle Renten, und selbst dort fehlte im Mittel ein Euro zur Schwelle von 1.100 Euro.

Was volle und teilweise Leistung unterscheidet, zeigt der Überblick zur vollen Erwerbsminderungsrente und zur teilweisen Erwerbsminderungsrente.

Frauen erhalten 68 Euro weniger

Auch zwischen den Geschlechtern bleibt eine Lücke. Neu betroffene Männer kamen 2024 auf durchschnittlich 1.078 Euro, Frauen auf 1.010 Euro. Der Abstand betrug damit 68 Euro im Monat. Gemessen am Wert der Männer lag der Zahlbetrag der Frauen rund 6,3 Prozent niedriger.

Bei der Altersrente fällt die Lücke zwar deutlich größer aus. Für einen Haushalt, der wegen Krankheit plötzlich auf ein Erwerbseinkommen verzichten muss, können jedoch schon 68 Euro über eine Stromrechnung, Medikamente oder einen notwendigen Eigenanteil entscheiden. Hinzu kommt: Eine EM-Rente beginnt häufig zu einem Zeitpunkt, an dem noch laufende Kredite oder Unterhaltspflichten bestehen.

Der Zahlbetrag ist nicht die Bruttorente

Die Statistik weist ausdrücklich den Rentenzahlbetrag aus. Gemeint ist bei gesetzlich krankenversicherten Rentnern der Betrag nach Abzug der eigenen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Eine mögliche Einkommensteuer ist dabei noch nicht berücksichtigt. Ebenso wenig sagt der Wert etwas über Mieteinnahmen, Partnereinkommen oder andere Einnahmen im Haushalt aus.

Umgekehrt bedeutet das: 1.041 Euro sind nicht automatisch das Geld, von dem jeder Betroffene tatsächlich leben muss. Die Zahl zeigt aber, wie begrenzt die Versicherungsleistung selbst ausfällt. Wer seine voraussichtliche Leistung abschätzen will, findet die entscheidenden Rechengrößen bei der Höhe der Erwerbsminderungsrente.

Verbesserungen kommen nur langsam an

Gegenüber 2023 ist der Durchschnitt gestiegen. Damals waren es 1.001 Euro, 2022 sogar nur 950 Euro. Binnen zwei Jahren nahm der Zahlbetrag damit um rund 9,6 Prozent zu. Gesetzliche Verbesserungen bei der Zurechnungszeit helfen, weil Betroffene rentenrechtlich so gestellt werden, als hätten sie noch über den Eintritt der Erwerbsminderung hinaus Beiträge gezahlt.

Aus dem Anstieg folgt dennoch nicht, dass jeder EM-Rentner eine entsprechende Erhöhung erhalten hat. Verglichen werden unterschiedliche Zugangsjahrgänge. Versicherungsbiografie, bisheriger Verdienst, Zeitpunkt der Erwerbsminderung und mögliche Abschläge bestimmen den persönlichen Anspruch.

Die Statistik zeigt den Rentenbeginn 2024

Der Betrag von 1.041 Euro beschreibt den durchschnittlichen Zugang im Jahr 2024. Eine damals begonnene Rente wurde durch die Rentenanpassungen 2025 und 2026 inzwischen angehoben. Die Zahl ist deshalb kein aktueller Überweisungsbetrag für jeden Angehörigen dieses Jahrgangs, sondern zeigt das Niveau, auf dem die neuen Ansprüche starteten.

Auf zwölf Monate gerechnet entsprachen 1.041 Euro zunächst 12.492 Euro. Bei der vollen EM-Rente waren es mit durchschnittlich 1.099 Euro nur 13.188 Euro im Jahr. Der Unterschied zwischen beiden Mittelwerten belief sich damit auf 696 Euro jährlich. Einen Median, der die Betroffenen in eine obere und eine untere Hälfte teilt, nennt der Bericht nicht. Aus dem Durchschnitt lässt sich daher nicht ablesen, wie viele Renten exakt unter 1.041 Euro lagen.

Grundsicherung bleibt für viele ein Thema

Ob zusätzlich Grundsicherung zusteht, lässt sich nicht an einer festen Rentenhöhe ablesen. Maßgeblich sind unter anderem Unterkunftskosten, weiteres Einkommen, Vermögen und die Haushaltskonstellation. Ein Zahlbetrag von 1.041 Euro kann deshalb in einer günstigen Wohnung reichen, während er bei hoher Miete deutlich unter dem notwendigen Bedarf liegt.

Betroffene sollten einen möglichen Anspruch nicht allein wegen einer vermeintlich zu hohen Rente ausschließen. Die Voraussetzungen der Grundsicherung bei Erwerbsminderung berücksichtigen mehr als den Rentenbetrag. Gerade der amtliche Durchschnitt zeigt, wie schnell eine krankheitsbedingte Rente trotz aller Leistungsverbesserungen an die finanzielle Untergrenze führen kann.