Wer heute ins Pflegeheim zieht, muss im ersten Jahr durchschnittlich 3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche aufbringen. Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger will den Eigenanteil nun bei 1.500 Euro deckeln. Doch selbst dann bliebe die gesamte Belastung nach aktuellen Durchschnittswerten bei mehr als 3.000 Euro. Und schon im zweiten Heimjahr liegt der pflegebedingte Anteil im Durchschnitt unter der vorgeschlagenen Grenze.
Finanzierung und Start bleiben offen
Mit der anstehenden Pflegereform sollten die Kosten der stationären Pflege für Betroffene begrenzt werden, sagte Rehlinger der Funke Mediengruppe. Einen Höchstbetrag von 1.500 Euro hält die SPD-Politikerin innerhalb des Versicherungssystems für finanzierbar.
Wie das funktionieren soll, ist noch offen. Ein Gesetzentwurf zu diesem Deckel existiert ebenso wenig wie ein Einführungstermin oder eine Finanzierungsrechnung. Ungeklärt bleibt auch das Zusammenspiel mit den bestehenden Zuschüssen. Die derzeitige Reformplanung für die Pflegeheim-Zuschüsse zielt bislang sogar in die entgegengesetzte Richtung: Bewohner sollen länger auf die höheren Entlastungsstufen warten.
Die übrigen Kosten bleiben bestehen
Bei Pflegeheimkosten kann mit „Eigenanteil“ entweder nur der pflegebedingte Anteil oder die gesamte monatliche Belastung gemeint sein. Die Reaktionen auf Rehlingers Vorschlag beziehen sich ausdrücklich auf den pflegebedingten Teil. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten wären damit nicht gedeckelt.
Nach der Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen vom 1. Juli 2026 tragen Bewohner im ersten Heimjahr nach Abzug des Zuschusses von 15 Prozent durchschnittlich noch 1.775 Euro der pflegebedingten Kosten selbst. Hinzu kommen die übrigen Bestandteile der Heimrechnung.
Rehlinger hat nicht erläutert, ob ihr Deckel vor oder nach dem bestehenden Zuschuss greifen soll. Die folgende Modellrechnung nimmt deshalb die in den Reaktionen erkennbare Auslegung zugrunde: Begrenzt wird der Pflegeanteil, der Bewohner nach dem Zuschuss noch selbst zahlen.
| Kosten im ersten Heimjahr | Heutiger Durchschnitt | Mit 1.500-Euro-Deckel |
|---|---|---|
| Pflegeanteil des Bewohners nach Zuschuss | 1.775 € | 1.500 € |
| Unterkunft und Verpflegung | 1.068 € | 1.068 € |
| Investitionskosten | 521 € | 521 € |
| Gesamtbelastung | 3.364 € | 3.089 € |
Unter dieser Annahme würde der Deckel einen neuen Heimbewohner im Bundesdurchschnitt um 275 Euro monatlich entlasten. Das wären 3.300 Euro im Jahr. Weil die Berechnung mit heutigen Durchschnittswerten arbeitet und die Ausgestaltung fehlt, ist sie keine Prognose.
Im zweiten Jahr liegt der Durchschnitt schon darunter
Nach zwölf Monaten übernimmt die Pflegekasse 30 statt 15 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils. Dadurch sinkt der von Bewohnern getragene Anteil nach heutigen Durchschnittswerten auf rund 1.462 Euro. Er unterschreitet den vorgeschlagenen Deckel bereits ohne eine neue Regelung.
Nach zwei Jahren liegt der Durchschnitt bei etwa 1.044 Euro, ab dem vierten Heimjahr bei 522 Euro. Ein Deckel von 1.500 Euro würde in diesen Aufenthaltsstufen nach der hier zugrunde gelegten Auslegung nichts zusätzlich bringen. Im einzelnen Heim können die Werte allerdings erheblich abweichen. Maßgeblich sind die Kosten der Einrichtung und die persönliche Zuschussstufe, wie die Berechnung des Eigenanteils im Pflegeheim zeigt.
Verbände verlangen eine größere Reform
Sozialverbände begrüßen Rehlingers Vorstoß grundsätzlich, halten ihn aber nicht für ausreichend. Der Sozialverband Deutschland sieht darin vor allem eine Übergangslösung für kürzere Heimaufenthalte und fordert langfristig eine Pflegevollversicherung für die pflegebedingten Kosten. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz unterstützt eine Begrenzung der reinen Pflegekosten.
Zugleich richten beide Organisationen den Blick auf die Bundesländer. Investitionskosten von durchschnittlich 521 Euro und Ausbildungskosten von 128 Euro monatlich dürften nicht länger bei den Bewohnern landen, fordern sie. Zusammen ergibt das nach den aktuellen vdek-Werten eine mögliche Entlastung von 649 Euro. Vollständig zusätzlich zu den 275 Euro aus der Deckel-Rechnung wäre sie jedoch nicht, denn die Ausbildungskosten stecken bereits im Pflegeanteil.
Widerspruch kommt von der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung. Katrin Staffler warnt, der Deckel würde die Pflegeversicherung zusätzlich Milliarden kosten. Eine belastbare Gegenrechnung liegt bislang ebenso wenig vor wie Rehlingers Finanzierungskonzept.
Rehlingers Vorstoß könnte vor allem neue Heimbewohner entlasten. Einen Pflegeheimplatz für insgesamt 1.500 Euro würde er nach dem bisher bekannten Stand jedoch nicht schaffen.