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RKI schätzt fast 9.000 Hitzetote ab 75 – DWD warnt heute erneut

Für viele Pflegehaushalte ist Hitze an diesem Montag keine Komfortfrage. Der Deutsche Wetterdienst warnt am 10. August gebietsweise in der Südhälfte vor starker Wärmebelastung. Vier Tage zuvor hat das Robert Koch-Institut für 2026 bereits 11.900 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt. 8.970 davon entfallen auf Menschen ab 75 Jahren. Wer einen älteren oder pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt, sollte deshalb nicht erst reagieren, wenn Kreislaufprobleme auftreten.

Drei von vier geschätzten Todesfällen ab 75

Der am 6. August veröffentlichte RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität umfasst den Zeitraum bis zur Kalenderwoche 30. Insgesamt schätzt das Institut 11.900 hitzebedingte Sterbefälle. Davon entfallen 2.910 auf die Altersgruppe von 75 bis 84 Jahren und weitere 6.060 auf Menschen ab 85. Zusammengenommen sind das rund 75 Prozent aller geschätzten Fälle.

Die Zahl ist keine Zählung von Totenscheinen mit der Diagnose Hitze. Das RKI arbeitet mit einem statistischen Modell, weil Hitze meist zusammen mit bestehenden Erkrankungen wirkt und auf Totenscheinen häufig nicht als eigentliche Todesursache erscheint. Die Schätzung für 2026 ist zudem noch unvollständig. Etwa 9.600 der bislang geschätzten Todesfälle führt das RKI auf die besonders heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni zurück.

Die Größenordnung fällt dennoch auf. Für die Jahre 2018 und 2019 nennt das RKI jeweils etwa 7.000 oder mehr hitzebedingte Sterbefälle. 2026 liegt die vorläufige Schätzung schon deutlich darüber.

Heute wieder starke Wärmebelastung

Der Deutsche Wetterdienst meldet am 10. August gebietsweise starke Wärmebelastung in der Südhälfte Deutschlands. Hitzewarnungen werden ausgegeben, wenn die Belastung gesundheitlich relevant wird und auch die nächtliche Abkühlung der Wohnräume eine Rolle spielt.

Für ältere Menschen setzt der DWD die Schwelle zur extremen Belastung niedriger an als für die Allgemeinbevölkerung. Der Grund ist die nachlassende Fähigkeit des Körpers, Wärme abzugeben und sich an hohe Temperaturen anzupassen. Pflegebedürftigkeit kann das Problem verstärken, wenn Mobilität, Wahrnehmung oder selbstständiges Trinken eingeschränkt sind.

Zusätzliche Besuche sind nicht automatisch verfügbar

Gerade bei alleinlebenden Pflegebedürftigen entsteht eine praktische Versorgungslücke. Das Gesundheitsportal des Bundes weist darauf hin, dass Hausarztpraxen und ambulante Pflegedienste den zusätzlichen Bedarf an täglichen Hausbesuchen während einer Hitzewelle in der Regel nicht vollständig abdecken können.

Ein Hitzeschutzplan funktioniert deshalb nur, wenn klar ist, wer morgens lüftet, tagsüber verschattet, Getränke bereitstellt und Veränderungen beim Befinden bemerkt. Ein kurzer Telefonanruf kann bei einem selbstständigen Menschen reichen. Bei Demenz, eingeschränkter Mobilität oder fehlendem Durstgefühl braucht es oft eine Person vor Ort.

Eine Pflegeberatung kann längerfristig helfen, vorhandene Dienste und Entlastungsleistungen in einen belastbaren Versorgungsplan zu bringen. Sie ersetzt aber keinen kurzfristigen zusätzlichen Besuch, wenn ein Pflegedienst während einer Hitzewelle bereits ausgelastet ist.

Trinkmenge und Medikamente brauchen einen individuellen Plan

Pauschale Regeln können bei Pflegebedürftigen sogar in die falsche Richtung führen. Das Gesundheitsportal nennt für viele Menschen mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Bei Herz- oder Nierenschwäche kann eine zu hohe Trinkmenge jedoch schädlich sein. Dann sollte die Menge ärztlich festgelegt werden.

Ähnlich ist es bei Medikamenten. Entwässernde Mittel, bestimmte andere Arzneimittel und Wirkstoffpflaster können bei Hitze besondere Probleme machen. Dosierungen sollten deshalb nicht eigenständig verändert werden. Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte klären lassen, ob für sehr heiße Tage eine Anpassung vorgesehen ist.

Ab 26 Grad in der Wohnung wird Vorsorge konkret

Das Bundesportal empfiehlt spätestens bei einer Hitzewarnung oder ab 26 Grad in Wohnräumen gezielte Schutzmaßnahmen. Dazu gehören Lüften in den kühleren Nacht- und Morgenstunden, konsequente Verschattung am Tag, leichte Bettwäsche und das Vermeiden zusätzlicher Wärmequellen.

Bei Kopfschmerzen, Erbrechen oder deutlichen Kreislaufbeschwerden ist medizinische Abklärung nötig. Hinweise auf einen Hitzschlag sind ein Notfall. Für Angehörige ist deshalb nicht nur die Temperatur entscheidend, sondern auch die Frage, ob der Pflegebedürftige Veränderungen überhaupt selbst bemerkt und Hilfe holen kann.