Nach dem Tod des Partners kann auch ein wesentlicher Teil des gemeinsamen Einkommens fehlen. Die Witwenrente fängt diesen Verlust teilweise auf, ersetzt die bisherige Rente des Verstorbenen aber nicht vollständig.
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Für die Höhe sind zwei Zeiträume zu unterscheiden. In den ersten drei Kalendermonaten nach dem Sterbemonat gilt das Sterbevierteljahr. Während dieser Zeit entspricht die Witwenrente grundsätzlich der vollen maßgeblichen Rente des Verstorbenen. Erst danach wird zwischen kleiner und großer Witwenrente unterschieden.
Die kleine Witwenrente beträgt dann 25 Prozent. Die große Witwenrente liegt nach
- neuem Recht bei 55 Prozent
- altem Recht bei 60 Prozent
der maßgeblichen Rente des Verstorbenen – gemeint ist seine gesetzliche Versichertenrente, zum Beispiel eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente. Bezog er noch keine Rente, berechnet die Rentenversicherung den maßgeblichen Betrag für den Todeszeitpunkt anhand seines Versicherungsverlaufs.
Welches Recht gilt?
Obwohl das Hinterbliebenenrecht bereits 2002 geändert wurde, kann aufgrund der Übergangsregeln auch bei einem Todesfall im Jahr 2026 noch altes Recht gelten. Dafür muss einer von zwei Fällen vorliegen:
- Tod vor 2002: Dein Partner ist vor dem 1. Januar 2002 gestorben. Wann ihr geheiratet habt und wann ihr geboren seid, spielt dann keine Rolle.
- Ehe vor 2002: Dein Partner ist nach dem 31. Dezember 2001 gestorben, ihr habt aber vor dem 1. Januar 2002 geheiratet und mindestens einer von euch ist vor dem 2. Januar 1962 geboren.
Trifft keiner der beiden Fälle zu, gilt neues Recht.
Auch damit steht der spätere Zahlbetrag noch nicht fest. Ein möglicher Abschlag kann bereits die maßgebliche Rente des Verstorbenen mindern. Eigenes Einkommen sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung können die Auszahlung zusätzlich reduzieren.
Die vier Prozentsätze im Überblick
| Zeitraum oder Rentenart | Anteil der maßgeblichen Rente des Verstorbenen | Wichtige Voraussetzung |
|---|---|---|
| Sterbevierteljahr | 100 % | Drei Kalendermonate nach dem Sterbemonat, ohne Einkommensanrechnung |
| Kleine Witwenrente | 25 % | Voraussetzungen der großen Witwenrente sind nicht erfüllt |
| Große Witwenrente nach neuem Recht | 55 % | Altersgrenze, Erwerbsminderung oder Kindererziehung |
| Große Witwenrente nach altem Recht | 60 % | Übergangsregelung für ältere Ehen oder frühere Todesfälle |
Das Sterbevierteljahr fällt aus diesem Schema heraus. In den drei Kalendermonaten nach dem Sterbemonat gilt der Rentenartfaktor 1,0. Die Witwenrente entspricht in dieser Zeit grundsätzlich dem vollen Rentenanspruch des Verstorbenen, eigenes Einkommen wird nicht angerechnet. Bei einer bisherigen Bruttorente von 2.000 Euro sind daher für diese drei Monate 2.000 Euro anzusetzen.
Erst danach sinkt die Leistung auf 25, 55 oder 60 Prozent. Die folgenden Beträge sind Bruttowerte vor der Anrechnung eigenen Einkommens und vor Sozialabgaben:
| Maßgebliche Rente des Verstorbenen | Kleine Witwenrente mit 25 % | Große Witwenrente mit 55 % | Große Witwenrente mit 60 % |
|---|---|---|---|
| 1.200 € | 300 € | 660 € | 720 € |
| 1.500 € | 375 € | 825 € | 900 € |
| 2.000 € | 500 € | 1.100 € | 1.200 € |
| 2.500 € | 625 € | 1.375 € | 1.500 € |
| 3.000 € | 750 € | 1.650 € | 1.800 € |
Die Rechnung „55 Prozent von 2.000 Euro sind 1.100 Euro“ stimmt also, liefert aber noch nicht den späteren Zahlbetrag. Für andere Ausgangswerte berücksichtigt der Witwenrenten-Rechner auch das Sterbevierteljahr und die Einkommensanrechnung.
Große oder kleine Witwenrente
Bei einem Todesfall im Jahr 2026 bekommst du die große Witwenrente grundsätzlich, wenn du mindestens 46 Jahre und 6 Monate alt bist (46+4 in 2025). Maßgeblich ist also dein Alter. Wie hoch die Altersgrenze liegt, richtet sich jedoch nach dem Todesjahr deines Partners. Sie steigt bis 2029 schrittweise auf 47 Jahre.
Unabhängig von deinem eigenen Alter bekommst du die große Witwenrente auch, wenn du erwerbsgemindert bist oder ein eigenes Kind beziehungsweise ein Kind des Verstorbenen unter 18 Jahren erziehst. Der Anspruch besteht auch über die Volljährigkeit hinaus, wenn du ein behindertes eigenes Kind oder ein behindertes Kind des Verstorbenen betreust, das sich nicht selbst unterhalten kann.
Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, bleibt die kleine Witwenrente mit 25 Prozent. Nach neuem Recht endet sie spätestens nach 24 Kalendermonaten, nach altem Recht gilt diese Befristung grundsätzlich nicht. Die Dauer der Witwenrente kann sich außerdem ändern, wenn eine kleine Rente später wegen des Alters oder einer Erwerbsminderung in eine große übergeht. Für den Anspruch auf Witwenrente müssen zusätzlich die Ehe- und Versicherungszeiten erfüllt sein.
Was altes und neues Recht außerdem unterscheidet
Die Zuordnung zum alten oder neuen Hinterbliebenenrecht bestimmt nicht nur, ob die große Witwenrente 60 oder 55 Prozent beträgt. Unterschiede gibt es auch bei der Dauer der kleinen Witwenrente, bei der Anrechnung bestimmter Einkünfte und beim Zuschlag für Kindererziehung.
| Prüffrage | Altes Recht | Neues Recht |
|---|---|---|
| Höhe der großen Witwenrente | 60 % | 55 % |
| Kleine Witwenrente | Grundsätzlich ohne 24-Monats-Grenze | Höchstens 24 Kalendermonate |
| Betriebsrenten, private Renten und Vermögenseinkommen | Grundsätzlich nicht anrechenbar | Grundsätzlich anrechenbar |
| Zuschlag wegen Kindererziehung | Nein | Ja |
Diese Regeln greifen als Paket. Altes Recht ist beim Prozentsatz, bei der Dauer der kleinen Witwenrente und bei bestimmten privaten oder vermögensbezogenen Einkünften meist günstiger. Den Zuschlag für Kindererziehung gibt es dagegen nur nach neuem Recht.
Welcher Rentenbetrag der Ausgangspunkt ist
Der Prozentsatz allein bestimmt die Rentenhöhe nicht. Bezog der Verstorbene bereits eine gesetzliche Altersrente, bildet deren Bruttobetrag grundsätzlich die Basis. Gemeint ist die Rente vor den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung und vor einer möglichen Steuer. Ein bereits in der Rente enthaltener Abschlag bleibt dabei bestehen.
Hatte der Verstorbene noch keine Rente, berechnet die Rentenversicherung seinen Anspruch zum Todeszeitpunkt aus den erworbenen Entgeltpunkten. Bei einem frühen Tod kommt eine Zurechnungszeit hinzu. Sie verlängert den Versicherungsverlauf rechnerisch bis zu einem gesetzlich festgelegten Alter. Für Todesfälle im Jahr 2026 endet sie mit 66 Jahren und 3 Monaten, bis 2031 steigt die Grenze schrittweise auf 67 Jahre. Der zusätzliche Wert richtet sich nach dem bisherigen Versicherungsverlauf und lässt sich nicht aus dem letzten Gehalt ableiten.
Eine neue Zurechnungszeit wird allerdings nicht berücksichtigt, wenn der Verstorbene bereits eine Altersrente bezog. Bestand eine Rente wegen Erwerbsminderung, bleibt es grundsätzlich bei der darin bereits berücksichtigten Zurechnungszeit.
Abschlag bei frühem Tod
Starb der Partner vor seinem 62. Geburtstag, beträgt der Abschlag 10,8 Prozent. Bei einem Tod zwischen dem 62. und dem 65. Geburtstag sind es 0,3 Prozent für jeden Monat vor dem 65. Geburtstag. Ab 65 fällt kein Abschlag mehr an. Der Abschlag wirkt über den Zugangsfaktor bereits auf die maßgebliche Rente, aus der anschließend 25, 55 oder 60 Prozent berechnet werden.
Bei jungen Verstorbenen können Zurechnungszeit und Abschlag daher gleichzeitig wirken. Die Zurechnungszeit erhöht die Zahl der berücksichtigten Versicherungsmonate, während der Abschlag den daraus berechneten Wert senkt.
Ein Zuschlag für Kindererziehung
Bei Witwenrenten nach neuem Recht kann die Erziehung eines Kindes den Rentenbetrag erhöhen. Der Zuschlag wird aus zusätzlichen persönlichen Entgeltpunkten berechnet und beginnt mit dem vierten Kalendermonat nach dem Tod des Partners. Seine volle Höhe setzt voraus, dass die Kindererziehung bis zum vollendeten dritten Lebensjahr berücksichtigt wird.
Die Zuschlagsbeträge ab Juli 2026 unterscheiden sich nach Rentenart und Zahl der Kinder:
| Rentenart | Erstes Kind | Jedes weitere Kind |
|---|---|---|
| Kleine Witwenrente | 38,65 € | 19,33 € |
| Große Witwenrente | 85,03 € | 42,52 € |
Sind weniger Erziehungsmonate anrechenbar, fällt der Zuschlag entsprechend niedriger aus. Witwenrente und Kinderzuschlag dürfen zusammen außerdem nicht höher sein als die volle Rente des Verstorbenen.
Nicht zu verwechseln ist dieser Zuschlag mit dem zusätzlichen Freibetrag von 238,11 Euro je waisenrentenberechtigtem Kind. Der Zuschlag erhöht die Witwenrente selbst. Der Freibetrag schützt dagegen einen größeren Teil des eigenen Einkommens vor der Anrechnung.
Was vom errechneten Betrag noch abgeht
Zwischen der rechnerischen Witwenrente und der tatsächlichen Überweisung können mehrere Abzüge liegen:
- eigene Rente, Arbeitslohn oder anderes anrechenbares Einkommen oberhalb des Freibetrags
- Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung
- Beiträge zur Pflegeversicherung
- mögliche Einkommensteuer
Die Einkommensanrechnung setzt nicht unmittelbar am Bruttobetrag an. Bei einer eigenen gesetzlichen Rente mit Rentenbeginn nach 2010 zieht die Rentenversicherung zunächst pauschal 14 Prozent ab. Vom so ermittelten Nettoeinkommen wird der Freibetrag abgezogen. Nur 40 Prozent des verbleibenden Betrags mindern die Witwenrente.
Bei 2.000 Euro maßgeblicher Rente des Verstorbenen, einer großen Witwenrente nach neuem Recht und 1.500 Euro eigener Bruttorente ergibt sich folgende Rechnung:
- 2.000 Euro × 55 Prozent = 1.100 Euro Witwenrente vor Einkommensanrechnung.
- 1.500 Euro eigene Bruttorente − 14 Prozent Pauschalabzug = 1.290 Euro anrechenbares Nettoeinkommen.
- 1.290 Euro − 1.122,53 Euro Freibetrag = 167,47 Euro oberhalb des Freibetrags.
- 167,47 Euro × 40 Prozent = 66,99 Euro Anrechnungsbetrag.
- 1.100 Euro − 66,99 Euro = 1.033,01 Euro Witwenrente vor Kranken- und Pflegeversicherung.
Nach altem Recht läge die Witwenrente aus derselben Ausgangsrente zunächst bei 1.200 Euro. Nach der Einkommensanrechnung blieben 1.133,01 Euro. Der genaue Rechenweg bei eigener Rente hängt auch von der Einkommensart und dem dafür geltenden Pauschalabzug ab.
Von der gekürzten Witwenrente gehen gegebenenfalls noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Ob zusätzlich Einkommensteuer auf die Witwenrente anfällt, hängt vom gesamten steuerpflichtigen Einkommen ab.
Welche Zahlen im Bescheid stehen müssen
Am Zahlbetrag allein lässt sich nicht erkennen, ob die Witwenrente richtig berechnet wurde. Entscheidend sind die einzelnen Bausteine:
- die maßgebliche Rente oder die persönlichen Entgeltpunkte des Verstorbenen
- der Rentenartfaktor für kleine, große Rente oder Sterbevierteljahr
- der Zugangsfaktor und ein möglicher Abschlag
- ein Zuschlag wegen Kindererziehung
- der Abzug aus der Einkommensanrechnung
- die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
Ein falscher Rentenartfaktor oder ein übersehener Kinderzuschlag verändert die monatliche Leistung dauerhaft. Bei einer systematischen Prüfung des Rentenbescheids sollten deshalb nicht nur der Zahlbetrag, sondern auch die Berechnungsgrundlagen und sämtliche Abzüge nachvollzogen werden.